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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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Arenenberg , Mittwoch, 9. November.

Nach dieser schrecklichen Nacht i habe ich das Bedürfnis, zu jemandem von meinenQualen zu sprechen. Ich ließ Herrn Cottrau an mein Bett rufen, um mit ihm zu plaudern;aber selbst unter diesen grausamen Umständen kam sein Widerspruchsgeist überall zumVorschein. Als ich, auf die Vergangenheit zurückkommend, davon sprach, wie peinlich esfür mich sei, daß ich das Vertrauen der Königin verloren habe und die einzige sei, dievon der Heirat ihres Sohnes nichts wisse, behauptete er, von dieser Heirat sei nichtgesprochen worden,- der Fürst habe nicht darein gewilligt, als ob nicht wahr sei, wasHerr Arese mir gesagt hatte, und selbst die Beflissenheit, die Herr von Persignyspäter hatte, das Bild dieser reizenden Prinzeß Mathilde zu sehen. . .

Montag, 21. November.

In ihrem langen Brief, den ich heute erhielt, schreibt mir Laura: „Wenn diePrinzeß einwilligt, nach Amerika zu gehen und ihren verbannten Vetter zu heiraten, sogibt mir das eine bessere Meinung von ihr. Aber Du würdest mich über alle Maßenin Erstaunen setzen, wenn diese letzte Torheit, die er soeben begangen hat, Dir nicht einwenig die Augen öffnete über die Vollkommenheiten, die Du ihm andichtest. Du wirstmir wenigstens zugestehen, daß ihm ein gesundes Urteil fehlt..."

Donnerstag, 1. Dezember.

Herr Arese hat mir erzählt, die Königin^ habe ihn beauftragt, alle Papiere desPrinzen durchzusehen, um zu verbrennen, was notwendig sei, und den Rest zu ver-wahren. Er hat die Briefe der Prinzeß Mathilde gesehen, kannte ihre Schrift aber nicht.Er hat den ersten gelesen. Der war ganz pathetisch, weil daß der Prinz sie um ihreHaare gebeten hatte ... Ich habe ihm gesagt, er solle dem Prinzen das Bild Mathildensbringen, das die Königin gemalt hat. Er wird es tun. Er bat mich, ihm einen Entwurffür die Prinzeß Charlotte" zu machen, zunächst zum Dank für eine Brieftasche, die sie fürihn gemacht und dann um Briefe für den Prinzen von ihr zu erbitten, sowohl von ihr alsvon der Prinzeß Mathilde, und hauptsächlich, damit sie ihm sage, worauf der Prinziin Bezug auf letztere zu rechnen habe. Er hat beigefügt, er wisse, daß er über allesdas mit mir sprechen dürfe, daß die Königin keine Geheimnisse vor mir habe, daß ichzur Familie gehöre.

Arenenberg , Dienstag, 20. Dezember 1836.

Herr Bohl, der Sekretär des Fürsten von Montfort ist gekommen, um uns zusagen, sein Fürst sei in Stuttgart und werde hier nicht vorbeikommen, weil der Königvon Württemberg ihn auffordere, es nicht zu tun, um sich nicht zu kompromittieren.Wir waren niedergeschlagen ob solcher Feigheit!

Armer Prinz; er wird über die Gefühle seiner Familie sich keinen Täuschungenhingeben; aber was ihn sehr betrüben wird, ist das Betragen Jörömes und seinerTochter! Ist es zu glauben, daß die Prinzeß Mathilde ihrer Tante seit diesen Ereignissenkein Sterbenswörtchen geschrieben hat? Nach dem Brief des Herrn Arese sagte die

> Auf der Rückkehr von Straßburg und Kehl nach dem tollen Streich und der Gefangennahmedes Prinzen Louis, den sie vergeblich zu befreien versucht hatte.

^ Sie befand sich damals mit Frau Salvage auf der Reise nach Paris, um den König LouisPhilippe um das Leben ihres Sohnes zu bitten.

° Die Witwe des Prinzen Napoleon Louis in Florenz . —