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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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Ich habe sie sofort wieder gesandt, sich beim Portier zu erkundigen, wo mein Gemahlund ob General Voirol ausgegangen sei. Mein Gott! wenn etwas Unkluges passiertwäre; das Unglück, das daraus entstehen könnte, wäre unberechenbar! Mein armerAim6 wäre in erster Linie kompromittiert, und ich bin, wie du wohl begreifen wirst,in Angst und Schrecken. . . .

Sonntags 11 Uhr. — Bin in trostloser Verzweiflung, Fanny. Was für eineSchuld tragen die, welche diesen unglückseligen Prinzen in dieses tolle Abenteuer hinein-geritten haben, unterstützt durch den Obersten Baudrey' und diesen elenden Parquin!Man hat alle drei gefangen gesetzt. Die arme Mutter! ^ . . . Sie hat ohne Zweifel keineAhnung gehabt von diesen verwegenen Plänen. Bilden sich nicht diese Leute ein, siekönnten eine Revolution heraufbeschwören, eine so starke, wohlbestellte Regierung stürzenmit einer Handvoll bezahlter und trunkener Truppen! Nicht ein Regiment der Garnison ,nicht einmal eine Handvoll Volk hat zu Gunsten des Prinzen demonstriert! DieNarren haben den Kopf verloren! Warum haben sie nicht auf den Rat gehört, denmein Mann einem ihrer Agenten im Namen des Generals gegeben! Man hat diesenunglücklichen Prinzen über die Lage in Frankreich , über die öffentliche Meinung getäuscht.Es ist mir nicht möglich, dir alles zu schildern, was in diesen verhängnisvollen Morgen-stunden alles passiert ist. Meine Gedanken sind so verwirrt, ich bin noch so bestürzt undaufgeregt, daß ich nicht weiß, wo mir der Kopf steht; ich hätte auch die Zeit nicht dazu.Aim6 reist im Auftrag seines Generals nach Paris !

Abends 5 Uhr. Endlich bin ich allein, liebe Fanny, und ich kann diesen traurigenBrief, der dich in Bestürzung versetzen wird, zu Ende führen. Mein armer Gemahl alsoist unterwegs nach Paris ! Es regnet und schneit, kurz abscheuliches Wetter! MeineSchwiegermutter hat Fieber, und die Aerzte sagen, sie werde es nicht mehr lange machen.Ich verspüre einen Alp auf meinem Herzen, eine schreckliche Traurigkeit Welch ein Tag!Ich kann nicht mehr!

Gib mir Nachricht von Valörie; ich wage eS nicht, ihr zu schreiben, aus Furcht,ich könnte meinen Gemahl kompromittieren, der es mir übrigens ausdrücklich verbotenhat. Obschon ich den Prinzen tadelnswert finde, kann ich doch nicht umhin ihn zubeklagen. Er ist in entsetzlicher Lage, die mich in Verzweiflung bringt. Dieser OberstVandrey ist ein Narr und Dummkopf, und der Prinz ist sehr unklug und verblendet.Welches Unglück, daß wir nach Straßburg gekommen sind. Ich wollte, ich wäre tausendMeilen weg von hier! Geht nicht der Prinz hin und nennt im Verhör meinen Mannund sagt, er habe nur Beziehungen zu ihm! Welche Inkonsequenz! Meinen Mann,dem er ein einziges Mal in seinem Leben begegnet ist und dem er sich wohl gehütethaben würde, Mitteilungen zu machen oder machen zu lassen über seine waghalsigen Unter-nehmungen! Zu sagen man kenne jemand, den man nur einmal gesehen und dem mannie ein Wort geschrieben hat. Diesem unglücklichen Menschen fehlt's an Ueberlegung, angesundem Urteil und an Takt! Ist's möglich sich einzubilden, man könne eine Revolutionin Szene setzen mit Herrn Vaudrey und Parquin, als General verkleidet! Das ist jaabsurd, ja toll! Oberst Vaudrey konnte sich auf seine Soldaten so wenig verlassen, daßnicht einer seinen Säbel zu seiner Verteidigung zog, als man ihn festnahm; kein Säbel-hieb wurde ausgeteilt, kein Flintenschuß abgegeben, und das Volk hat keine Hand gerührt

' Vgl. Schriften Heft 4b, Seiten 159. ItU.

^ Gemeint ist Königin Hortcnse.