Am Hofe einer Exkönigin.
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sie selbst bloßstellt. Das ist etwas, das reiflich überlegt sein will mit Verstand undVernunft und nicht übers Knie abgebrochen werden darf.
Parquin ist sehr niedergeschlagen; Baudrey auch. Dieser hat den Anwalt desKönigs um eine Unterredung mit Fr. Gordon gebeten. Man gab ihm zur Antwort,wenn Fr. Baudrey käme, würde man sich überlegen, was zu tun wäre... Als manbei dieser Frau zur Verhaftung schritt, fand man sie eben damit beschäftigt, den Brief-wechsel Vaudreys mit Herrn v. Persigny * zu verbrennen.. Dieser ist ohne Hut ent-kommen, indem er aus dem Fenster sprang. Man glaubt, er sei in Baden-Baden ohneKleider und Geld. Karl war Montags bei der Schauspielerin, welche die Rolle derSophie (Laura) so gut gegeben hat, und hat ihr ein Taschenbuch seines Herrn übergebenund einen Sack mit Silbergeld mit der Bitte, es gegen Gold auszutauschen, was ihraber unmöglich war. Die Brieftasche hat sie Jenny übergeben, die sie an sicherem Ortverwahrt; dann hat sie dem Direktor (General) mitgeteilt, ihr sei eine Geldsummeübergeben worden, ohne den Betrag zu nennen. Er hat ihr geantwortet, sie habe klugdaran getan, ihm Mitteilung davon zu machen, da der Anwalt des Königs ihn voreiner Stunde bereits darüber verständigt habe. Andern Tags kam der Kammerdienerdes Herrn v. Persigny zu ihr mit der Bitte, den vierten Teil der Summe nach derVilla zu Baden-Baden zu senden und ihr zu diesem Zweck eine Adresse zurückgelassen,welche die arme Frau sofort Jenny übergeben hat, welche die Sendung übernahm. Mankam überein, Jenny soll die Dreiviertel der Summe zu Handen nehmen für unsereAufträge. . . Jenny hat zwei Söhne, die sie vergöttert, aber zu sehr als unmündigeKinder behandelt, und infolgedessen nicht in ihre Geheimnisse einweiht. Sie beschäftigtsich sogar mit ihren Spielen; neulich mietete sie ihnen ein kleines Boot, mit dem sie,so oft das Wetter es erlaubt, dem Fischfang obliegen; dabei macht es ihnen großesVergnügen, sich vom Mittelpunkt der Stadt aus bis zur Mitte des Rheins treiben zulassen (für den Fall der Flucht). Der Donnerstag Abend ging in eingehender Beratungschnell dahin. Um 10 Uhr mußten wir uns trennen. Nach dieser Zeit darf man sichnicht mehr in den Gassen blicken lassen. — Bei all diesen Vorsichtsmaßregeln begreifeich nicht, wie man noch Fluchtversuche befürchten kann. Man kann ja wohl eine Feilein einem Poulet, ein Seil in einer Gänseleberpastete senden; aber damit ist's nicht getan,und ich sehe nicht ein, daß die Gefangenen so toll sein könnten, daran zu denken.
Samstag, 5. November, mittags.
Gestern ist Jenny tagsüber gekommen, um mit mir Mittel und Wege zu besprechen,wie sie mir ihre Neuigkeiten übermitteln könne, und um ein Briefchen an meinen Vatermitzunehmen. Der arme Mann war gestern morgen von Paris angelangt; er warvon all den Unglücksfällen erschüttert und um das Schicksal seiner Kinder sehr in Sorge.
> Victor de Fiali», Graf Persigny , geb. 1808, trat mit 17 Jahren schon ins 3. Husarcnregimcntz. Saumur ein, wo er sich als Kadett auszeichnete. Anno 1830 war er in eine Militärrevolte der ,
Garnison von Pontivy verwickelt; er erhielt infolgedessen den Abschied. Er griff nun zur Feder, wareine Zeitlang Mitarbeiter des Temps, schloß sich vorübergehend den Saint-Simonisten an. 1832 findenwir ihn in der Vendöe, wo er mit den Chouans gemeinsame Sache machte. Nachdem er einige Zeitder Sache der Legitimisten gedient hatte, gründete er 1884 eine Monatsschrift: Revue de l'Occidentfranxais, die über die erste Nummer nicht hinauskam, worin er sich als Apostel des kaiserlichen Evangeliumsvor ganz Europa erklärte; dadurch kam er in Beziehung zu dem Prinzen Napoleon, zu dessen eifrigstenund talentvollsten Parteigängern er von nun an zählte.