Am Hofe einer Exkönigin.
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die ich von ihr erwartete, wagt nicht einmal mehr, mir zu schreiben aus Furcht, ihrRuhegehalt zu verlieren. Rosier Coze, dem ich abends zuvor geschrieben hatte, um vonihm aus Freundschaft einige Umstände zu erfahren, die zu erlangen seine Verbindungenmit Gerard ihm leicht gemacht hätten, kehrte gegen mich den Diplomaten heraus. Hierist der Brief, den ich soeben von ihm in Kehl (5. Nov.) erhalten habe:
„Meine liebe Valerie, ich kann Dir leider keinerlei Auskunft geben über das, wasDich so lebhaft und so natürlicherweise interessiert. Meine Beziehungen zu den Personen,die mehr darüber wissen, sind derart und basieren auf einer so aufrichtigen Freundschaft,daß ich nicht den geringsten Mißbrauch davon machen würde, wenn man mir etwas imVertrauen gesagt hätte, und Du kennst mich hinlänglich, um mich für unfähig zu halten,ich könnte vertrauliche Mitteilungen herauslocken, um sie anderwärts weiter zu geben.Wenn ich überzeugt wäre, daß irgend welche Gefahr für Dich damit verbunden wäre,wenn man erführe, wer Du bist, so würde ich direkt an kompetenter Stelle um dieErlaubnis nachsuchen, Dir den Trost einer alten, aufrichtigen Freundschaft zu widmen.Bis dahin erwarte nichts von mir. Nicht daß ich fürchtete, mich bloßzustellen. Manweiß zugut, wie ich mich zu all diesen Anschlägen stelle, die dahin gehen, die unsermLande einzig frommende Regierung zu stürzen; aber ich wiederhole es, ich möchte Dichund die Deinigen nicht bloßstellen. Jetzt, nachdem ich mich über unsere Stellung zueinander deutlich genug ausgesprochen habe, kann ich auch meine Meinung über dieFolgen dieses verrückten Unternehmens äußern. Das Leben des jungen Prinzen steht nichtin Gefahr. Der König ist weise genug um einzusehen, daß es in Frankreich Abscheuerregen würde, wenn Blut fließen würde wegen einer erfolglosen Tat, bei der kein Blutgeflossen ist, und bei welcher auch das Leben des Monarchen nicht direkt bedroht war.
„Strenges Gefängnis wird es absetzen, so denke ich mir wenigstens, dessen Dauernoch nicht abzuschätzen ist; denn man weiß hier noch nicht, wie weit das Komplott umsich gegriffen hat. Auch kann man nicht voraussehen, welche Verkettung von Umständenspäter die Dauer der Gefangenschaft beeinflussen könnte. Glaube mir auch, daß zurzeitkeine Gründe vorhanden sind, daß man nicht zu mildern suchen sollte, was die Lageeines jungen Mannes, dessen Manieren allem nach sehr sanft sind, zu Hartes habenkönnte. Die wahren Schuldigen sind übrigens die, welche seine Unerfahrenheit mißbrauchtund ihm von Frankreich einen falschen Begriff beigebracht haben, nämlich bedürftig
nach Ruhe und zufrieden, von einem Manne regiert zu werden, der Mut mit hoherFähigkeit paart.
„Du wirst finden, liebe Freundin, ich habe ein sehr hartes Herz, um Dir so dasLob eines Fürsten zu singen, den Du, wie ich fürchte, mit Vergnügen durch den Deinigenstürzen gesehen hättest. Ich tue es einerseits aus Überzeugung, aber auch um Dir die
Binde zu nehmen, die Dir den Blick verdunkelt. Ich möchte gerne, daß Du die neu
gewonnenen Überzeugungen darin betätigen möchtest, die Personen, die Dir teuer sind,für immer von den Illusionen zu befreien, welche Deinen unglücklichen Prinzen an denRand des Abgrundes geführt haben. Namentlich aber möchte ich verhüten, daß Duirgend welche romantische Pläne über den Ausgang dieser unglücklichen Geschichte in Dirnährst. Sie wird, was man auch tue, ihren langsamen aber sicheren Lauf nehmen, unddie Folgen derselben sind durch die Notwendigkeit diktiert. Die Folgen werden nach
meiner Überzeugung eine kürzer oder länger dauernde Haft sein, ein Mißkredit, der nichtwieder gutzumachen ist, und die Schadloshaltung unschuldiger Opfer. Also nimm mit