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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger,

Mut Deine Trösterrolle auf. Leb wohl und sei von meiner aufrichtigen Freund-schaft überzeugt. R. Coze (Freund des Generalanwalts Gerard)."

Frau von Franqueville (Laura) an ihre Schwester.

Straßburg , den 4. November.

Ich habe von Herrn Vieillard' für den Prinzen einen Brief erhalten; er wirddem Prinzen zugleich mit dem übergeben werden, den Herr Vieillard mir geschriebenhat. . ... Mein Gemahl meint, das Leben des Prinzen stehe nicht in Gefahr. Es istBefehl gegeben worden, den Prozeß hier vor dem Schwurgerichtshof zu führen. Mansagt, der Generalanwalt wolle dagegen reklamieren. Herr von Persigny ist verloren,wenn man hier seiner habhaft wird; die ganze Polizei ist ihm auf den Fersen. Vorallem beruhige die Königin über das Leben ihres Sohnes; beruhige auch Du Dich. Dieallgemeine Meinung, die Leute, welche die hohem Orts in Paris getroffenen Anord-nungen am besten kennen, sind überzeugt, daß er keine Gefahr läuft: — Haft — Laura.

Kehl , Samstag, S. November.

Die Notwendigkeit, eine Erklärung abgeben zu müssen, bringt mich ein wenig inVerlegenheit. Ich unterschrieb: Marie Jalaber. Regine, welche mich schreiben sah, hatwahrscheinlich meine Zögerung wahrgenommen und war sehr erstaunt, mich soviel schreibenzu sehen. Als sie von der Post zurückkam, sagte sie mir, man müsse seinen wahren Namenunterschreiben, sonst wäre die Gastwirtin strafbar. Ich sagte ihr, ich werde mich morgendamit beschäftigen; sie solle gleich am Morgen früh mir einen Arzt besorgen, der französischspreche, und ich werde dann diesen beauftragen, mich bei der Polizei zu melden ... Daich mich ganz krank fühle, blieb ich Sonntag den 6. den ganzen Tag im Bett. Ich sandteeinen Bauer nach meinen Habseligkeiten in Straßburg und Regine nach einem Arzt.Ich wartete auf ihn, als ich meinen armen Vater mein Zimmer betreten sah. Er käme, sagteer, weil er erfahren habe, daß ich krank sei, und um mich zur Heimreise nach Arenenberg zu bereden, nach dem Rat des Herrn Gerard, der ihm gesagt hatte, man würde michfestnehmen, wenn ich nach Straßburg käme. Der gute Vater überbrachte mir ein Wortder Frau Salvage, die er am 2. in St. Di6 getroffen, in Begleit der Königin unterwegsnach Paris . . . Das bestimmte mich, nach Arenenberg umzukehren; hier blieb für michnichts mehr zu tun; ich war ja nur geblieben, um der Königin zu melden, was ich überihren Sohn erfahren konnte.

... Ich war ungehalten, daß die Königin nach Paris gegangen war, da ich keinedringende Notwendigkeit hiefür erblickte; denn, da der König sich über das Schicksalihres Sohnes freie Hand wahrte, konnte es sich nur darum handeln, ihn vom Tode zuerretten. Ich fürchtete, man werde ihr, indem man sie dort festhielt, nur härtere Bedingungenstellen, und endlich verstand ich nicht, warum sie mich, da sie doch selbst nach Paris gehen wollte, eine unangenehme und nun unnütz gewordene Reise machen ließ. Ich schriebauf das Briefchen der Frau Salvage einige Worte an den Prinzen, um ihm Kenntniszu geben von der Reise seiner Mutter und ihn von meiner Abreise zu verständigen undbat Papa, ihm das durch den General zukommen zu lassen.

Um 2 Uhr bestieg ich mit Papa den Reisewagen, um mit ihm nach Offenburg zu

' Erzieher des Prinzen.