Am Hofe einer Exkönigin.
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fahren. Von da kehrte er nach Straßburg zurück, und ich reiste nach Haslach weiter. Ichsicherte mir den Wagen für morgen nach Donaueschingen . Ich schrieb an Frau Salvageund anerbot mich, die Königin in Paris abzuholen. Montag den 7. ging trotz Schnee-gestöber die Reise ziemlich gut bis Donaueschingen , und Dienstag den 8. kam ich inKonstanz an.
Da der Kutscher, der mich abholte, hier Pferdewechsel hatte, begab ich michunterdessen zu Herrn Macaire. Fr. Macaire hatte einen Brief von H. Parquin, derHerrn Macaire bat, seine Tochter in seine Obhut zu nehmen, für die er ein Briefchenbeilegte. Sie war den Tag nach Arenenberg gegangen, und durch sie hatte die Kleinedie Festnahme ihres Vaters erfahren... Ich brauchte sicherlich 2 Stunden, um nachArenenberg zu gelangen. Ich kam unerwartet; denn der Brief, in welchem ich HerrnRatzn meine Rückkehr gemeldet, war nicht angekommen, was beweist, daß man die Briefeöffnete und diejenigen, die uns angingen, nicht beförderte. Mein Paket war nicht ange-kommen; wahrscheinlich ist es von der Polizei abgefangen, Virginie bloßgestellt, vielleichtgar in Haft, das Taschenbuch des Prinzen konfisziert, alle seine Freunde kompromittiertund die Geschichte tausendmal schwieriger für alle, die darin verwickelt sind.
Ich vernahm, daß Herr Arese den Tag zuvor sich auf den Weg gemacht hatte,um mich in Kehl zu treffen, mit dem Anzug und den tausend Franken, die ich für Herrnvon Persigny verlangt hatte. Er hatte verstanden, sie seien für den Prinzen bestimmt,nin ihm zur Flucht zu verhelfen, und er war mir zu Hilfe geeilt auf die Gefahr hin,gesanglich eingezogen zu werden. Ich war sicher, daß er, wenn er mich in Kehl nichtfinde, nach Straßburg gehen werde, und ich war seinetwegen in schrecklicher Unruhe.Ein Italiener, als Freund des Prinzen festgenommen, bildete eine erschreckende Verwicklungfür die ganze Geschichte.
Am Mittwoch, den 9. nach dieser schrecklichen Nacht empfand ich das Bedürfnis,mit jemandem über meine Qualen zu sprechen. Ich ließ Herrn Cvttrau an mein Bettrufen; aber unter diesen bittern Umständen machte sich sein Widerspruchsgeist überallgeltend. Als ich ihm von meinen Ängsten sprach wegen des Taschenbuchs des Prinzen,das Virginia verbarg, sprach er: „Wenn man dies Taschenbuch meiner Schwester gebrachthat, so weiß die Polizei schon alles, was darin steht." Ich wollte ersticken vor Zorn.Darum besprach ich auch seither nichts Wichtiges mehr mit ihm und nagte meine Sorgenfür mich allein.
Ich stand auf, um an Papa zu schreiben unter der Adresse des Anwalts desKönigs; an Virginie schrieb ich, die Verleumdungen, die ich unbedachterweise überParguin verbreitet, seien falsch; nicht er sei der Verräter, der den Prinzen in eineFalle gelockt habe. Herr Cottrau behaupte, das sei dieser arme General Voirol, derdoch so loyal und aufrichtig gegen den Prinzen ist. Ich nahm eine alte Schachtelund gab Virginie zu verstehen, sie soll das Taschenbuch dem Feuer übergeben,indem ich das italienisch auf Papilloten schrieb, die ich hineinlegte. Ich ließ HerrnAmmann zu mir bitten und einen deutschen Brief schreiben an Fräulein Hölvig, an dieich das Paket durch Vermittlung ihres Korrespondenten in Basel adressierte.
Am Nachmittag kam Herr Reinhard ^ zu mir herauf mit einem deutschen Brief,
1 Virginie war Cottrau's Schwester, vgl. vorn Seite 113, Anmerkung.
2 Reinhard von Weinfclden, einer der Jugendgenosscn des Prinzen.