24
F, Schaltegger.
daß das Gericht sie alle drangäbe, um ihn zu bekommen, — was uns mit Rücksicht aufseine Reise mit großer Angst erfüllt. Ich glaube, er hätte besser getan, sie ein wenigzu verschieben und die Freunde nicht zu sehen, mit denen er in Osfenburg zusammen-treffen will.
. . . Zehn Gelegenheiten zu entrinnen hatten sich dem Prinzen geboten. Nie hater davon Gebrauch machen wollen. Ein Gefangenwürter hat ihm die Schlüssel gebrachtund gesagt, er verlange nur, daß er ihn mitnehme. Er hat geantwortet, er würde an-nehmen, wenn die Herren Parquin und Vaudrey mit ihm fliehen könnten. Da diesnicht möglich war, ist er geblieben. Ein Oberst der Zitadelle sei gekommen und habeihm gesagt: „Warum haben Sie sich nicht an uns gewendet?" Karl brachte der Königindie Uniform, die der Prinz an dem unglücklichen Tage getragen und die am Ärmeldurch einen Bajonettstich durchlöchert worden, ohne daß er verwundet wurde.
Dienstag, 20. Dezember.
Am Abend meldeten die Zeitungen, die Andromeda (Fregatte, die den Prinzenentführte) sei vom Sturme an die Küsten von Spanien verschlagen worden; es seiihr aber gelungen, in einem Hafen Schutz zu suchen; man wisse aber nicht, in welchem.Diese wenigen Worte bestätigten unsere Befürchtungen über den schrecklichen Sturm, dieuns so schlimme Nächte gebracht hatten.
Die Königin ist blaß geworden; ich habe Tränen vergossen und trotz allen beruhigendenErklärungen dieser Herren empfanden wir heftigen Kummer. Frau Salvage hat ihnnicht ganz zerstreut, indem sie uns einen Brief vorlas, den sie eben von Herrn vonBeauharnms bekommen hatte. Er hatte im Marineministerium vorgesprochen; man hatteihm gesagt, es habe viel Befürchtungen, Anstrengungen, Leiden, viel Schaden im Tackel-werk gegeben; aber keine bekannte Person sei umgekommen. Man kannte den Hafen nicht,— da die Regierung nicht wollte, daß man den Namen erfahre. Am Sonntag,18. abends hat man eine Abschrift der Broschüre des Herrn de Persigny an den OberstDufour gesandt, in an seine Frau adressierte Seidenspitzen verpackt, er soll sie anHerrn Fazy übergeben, um sie in Genf drucken zu lassen. Diese Verpackung war gemacht.Wir waren alle beunruhigt wegen dem Schicksal der Andromeda und wegen dem so vielerunglücklicher Franzosen in dem unglücklichen Feldzug von Konstantine! Wir dachten schon ansSchlafengehen, als Herr Bohl, der Sekretär des Prinzen von Montfort anlangte, der kamum uns zu sagen, sein Prinz sei in Stuttgart und komme nicht hier vorbei, weil es der Königvon Württemberg verlange, um sich nicht zu kompromittieren . . . Während Herr Bohlmit halber Stimme der Königin die Gründe seines Herrn auseinandersetzte, nahmen ihndie Herren Cottrau und Visconti gehörig in die Hechel, wie auch seine Brüder. DieKönigin hat's nicht gern gehört, obschon sie es sich nicht merken läßt. J6rome hat alleSchmucksachen, die er nach London mitnahm, um nichts verkauft; es scheint, daß er dortdas langweiligste Leben von der Welt geführt hat; er hat niemanden besucht außer seinemBruder Joseph, der auch sehr zurückgezogen lebt. Was Lucien anbetrifft, so ist er zu-weilen ganze Wochen ohne daß man weiß, wo er ist, und unerhörte Sache, bei der Nachrichtvon dem Straßburger Putsch wollten Joseph und Lucien einen Protest dagegen erheben.J6rüme hat sie daran gehindert, indem er ihn nicht unterschreiben wollte. —