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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

nicht recht, warum er ein Papier zerreißt, um dessen Schnitzel sich die Assistenten streiten.Diese Zeremonie erinnert an die Exkommunikation, welcher einst die Familie Orsini verfiel' und deren Bulle jeder Papst nach seiner Erwählung zerreißen muß.

Rom , 14, Februar.

Alle Nachmittage der letzten Woche waren den Vergnügungen des Karnevals, denSpazierfahrten auf dem Korso, den Blumen und Konfettischlachten gewidmet. Keineinziger Wagen konnte mit dem unsrigen sich messen betr. die Masse von Bonbons undBuketts, mit denen er gefüllt war. Es war ein Vergnügen zu sehen, wie die Königinganz belebt und verjüngt war durch die Witze, die von einem Wagen zum andern flogen,durch das Bombardement dieser Stärkekugeln, durch diese flüchtigen Beziehungen, dienicht länger als einen Angriff und Gegenangriff lang dauern und im Gedächtnis nichtmehr Spuren hinterlassen als die platzenden Konfetti auf den Kleidern.

Die tollen Spässe, die sich immer gleich blieben, konnten nicht hindern, daß diepolitischen Gerüchte von Tag zu Tag ernster wurden. Schon am 7. hatte man vonaufrührerischen Bewegungen in Modena, Bologna, Forli und Ravenna vernommen. Diesewirren Nachrichten, die je nach der Phantasie- der Erzähler unter verschiedenen Gesichts-punkten wiedergegeben wurden, schufen auf die Länge eine Atmosphäre der Unruhe.Da man wußte, daß etwas im tun war, stieg man nicht mehr in den Wagen, ohnesich nach den Absichten der Verschwornen zu erkundigen und ohne von irgend einem Un-bekannten, der vollen Vertrauens würdig schien, die Versicherung empfangen zu haben,es werde nichts passieren.

Der Fürst v. Musignano, dem man am Mittwoch abend im Theater Tordinonibegegnete, war am Nachmittag bei Papst Gregor XVI. auf Besuch gewesen. Währender das Lob des hl. Vaters sang, den er als einen wackern, von den besten Absichtenbeseelten Mann schilderte, zeigte er sich stark beunruhigt von den Volksbewegungen, dieaus den Legationen gemeldet wurden, und noch mehr von der Unklugheit, die von einigenjungen, französischen Hitzköpfen begangen worden. Es hatte in einem Kaffeehaus einenTumult gegeben, wo mehrere unserer Volksgenossen vom Wein erhitzt die Marseillaise gesungen und geschrien hatten:Es lebe die Freiheit!" Einige, die unserm Gesandtenergeben sind, gaben ihr Ehrenwort, daß sie sich nicht mehr in politische Dinge mischenwollten; andere, die keine Verpflichtung eingehen wollten, erhielten Pässe mit der Ein-ladung, die Stadt zu verlassen.

Gleichwohl kündigte man auf Freitag eine römische Vesper und ein Blutbad füralle Franzosen an. Die Trasteveriner, sagte man, machten ihre Waffen bereit. Dassind die nämlichen Fanatiker, die im Jahr 1797 den General Duphot , unsern Gesandten,unter den Augen des Prinzen Eugen ermordeten, der als einfacher Brigadegeneral ebendie Nachricht vom Frieden von Campo Formio nach Rom gebracht hatte. Von denalten Römern abstammend, deren Blut sie rein von jeder Mischung bewahrt haben, mitedlen Zügen und stolzem Charakter, leben sie in ihrer Vorstadt zusammen und heiratennur unter sich und sind stets bereit, nach ihren Dolchen zu greifen, wenn der Papst anihre Ergebenheit appelliert.

Am Abend, beim Ball, den der Fürst v. Montsort gab, fanden es die Italiener,die am wenigsten des Konstitutionalismus verdächtig waren, seltsam, daß die Interessen

' Infolge ihrer Kämpfe mit den Colonna von Papst Alexander VI , Anno 1494,