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F. Schaltegger.
Passant verkleidet. Dank diesen Überraschungen gestaltete sich die Abendgesellschaft zurlustigsten der Welt. Diejenigen unserer Herren, die zu Fuß gekommen, trugen zur Vor-sicht eine Pistole in der Tasche und tanzten mit ihren Waffen; man muß schon in Rom sein, um solche Dinge zu erleben.
Die wechselnde Komödie des Karneval und der Revolution erlitt einen Unterbruchvom Fastnachtsamstag bis zum Aschermittwoch, um dann in den Bußübungen der Fasten-zeit zu ersticken. Heute kennen wir die Lösung der Charade und diese heißt: Abreise.
Die Königin hat heute morgen Briefe von den Prinzen erhalten, in welchen siesie bitten, zu ihnen zu kommen und ihre Cousine Zönaide mitzubringen. Sie sagen,Rom sei nicht sicher und Florenz sei mehr wert. Auf diese Bitte hat sie sich zur Ab-reise entschlossen mit einer von der Mutterliebe eingegebenen Schnelligkeit, die bei ihrnicht wunder nehmen kann und genügt, um unsere plötzlichen Reisevorbereitungen zuerklären. Indessen scheinen die Besucher, denen ich den ganzen Nachmittag standhaltenmußte, zu glauben, ihr Entschluß sei durch andere Gründe diktiert. Sie vermuten, siegehorche einem Befehl der päpstlichen Regierung und finden in den augenblicklichen Kon-junkturen viele Anhaltspunkte, die ihre Meinung stützen.
Sie denken, die Anwesenheit in Rom einer so bekannten Persönlichkeit wie dieKönigin, mit so vielen Bekanntschaften, so bereit der Vereinigung ihrer Landsleute zudienen, weil sie selbst sich gerne mit solchen umgebe, habe den Kardinälen Grund zumArgwohn geben müssen. Dieses Mißtrauen sei noch gestiegen, seit die aus den Provinzeneinlaufenden.Berichte schlimmer geworden sind und seit die Revolution, die in den Markenherrscht, sich rasch bis vor die Tore der Stadt ausgebreitet habe.
Das Zeichen zum Aufruhr ging aus von Modena , am 3. Februar, zu einer Zeit,da in den päpstlichen Staaten noch nichts bereit war. Dieser verfrühte Ausbruch wardurch den Herzog v. Modena selbst provoziert worden, vielleicht in der Hoffnung, denGang der Ereignisse zu seinen Gunsten wenden zu können. Bologna folgte fast sofort.Nach Ancona griff die Bewegung am 8. Februar hinüber; aber sie war so schlechtvorbereitet, daß die Truppen die Menge schnell zerstreut und die Führer eingeschüchterthatten. Nachdem die Stadt so in der Gewalt des Papstes geblieben war, wurde siezwei Tage darauf durch eine in Pesaro gebildete und durch den Oberst Armandi be-fehligte, aufrührerische Kolonne belagert. Die Übergabe stand bevor, da der gute Mannvon Gouverneur den Kopf verloren hatte und seine Soldaten ihm nicht mehr gehorchten.Perugia / die einzige Festung, auf welche der Papst hätte zählen können nach dem Fallvon Ancona, hatte sich der Revolution ergeben. Zu gleicher Zeit meldet man, Spoleto ,Foligno, Urni, die Provinzen Umbrien und Trasimenien hätten soeben die Trikoloreaufgepflanzt und der Sache der Freiheit sich angeschlossen.
Diese schweren Drohungen, die sich gegen die päpstliche Macht kehrten, versetzensie einigermaßen in den Fall legitimer Verteidigung. Anderseits ist die Königin politischohne Beistand, oder war es wenigstens nur durch die Kandidatur ihres Neffen, desPrinzen August von Leuchtenberg, aus den Thron Belgiens . In Erwartung der Entschlüsse,die der Brüsseler Kongreß fassen sollte, konnte man sie noch fürchten oder schonen. Abernach dem, was man auf der französischen Gesandtschaft hört und was uns Herr v.
' Betr. der nachfolgenden Örtlichkeiten, siehe die Kartenskizze Seite 29 .