Am Hofe einer Exkönigin.
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Roug6 wiederholt, haben die Aussichten des Prinzen in letzter Zeit an Boden verloren.Vielleicht sind sie in diesem Augenblick gleich Null. Voraussichtlich wissen das die Kar-dinäle und brauchen nun, da sie vor Repressalien sicher sind, die Königin nicht zu schonen.
Was es nun auf sich haben mag mit diesen Zweifeln, die die Zukunft lösen wird,so merke ich, wie gerne ich in Rom bin, an dem Bedauern, das mich übernimmt, eszu verlassen. Diese Unruhen, die beständig drohten und niemals ausbrachen, hatten auchihren Reiz; und die Furcht wird zum Vergnügen da, wo eine wirkliche Gefahr nichtbesteht. Wäre die Emeute zum Ausbruch gekommen, so hätten uns nicht nur die Liber-alen beschützt, sondern auch die Spaziergänger auf dem Pincio und in der Villa Borg-hese, die Künstler, die Vornehmen, sogar unsere Freunde vom Karneval her, die unsmit Konfetti bewarfen. Falls die Reaktion siegt, sind die Mauern unseres Palastes starkgenug, um, mit unsern wohl bewaffneten Leuten dahinter, den Angriffen der Trasteverinerund der Bewohner der Vorstadt dei Monti Widerstand zu leisten. Endlich, solange derAbsolutismus am Ruder ist, hätten Herr Delcinque/ der Onkel Kardinal^ und derNeffe Musignano zu unsern Gunsten intervenieren können. Außerhalb der Stadt hingegensind wir allein und ohne Verteidigung, allen schlimmen Begegnungen ausgesetzt, die mander großen Straße entlang machen kann. Eine Bedeckung ist uns notwendig; ich schreibean Herr v. Bressieux, um die seine zu erbitten. Sofort erscheint er mit seiner gewohn-ten Artigkeit, um nach den Befehlen der Königin zu fragen, und sagt, er habe diese Reisejust zu seiner Erholung im Plan gehabt. Herr Hesse hat ihn heute morgen verlassen,um nach Neapel zu reisen, das Herz so voll davon, daß er vorgezogen hat, uns gesternnichts davon zu sagen und ohne Abschied abzureisen.
Wir selbst werden durch die Zeit gedrängt, von Rom zu verschwinden, ohne von irgendjemandem Abschied genommen zu haben. Die Königin wollte zuerst heute noch aufbrechen;aber das erwies sich als unmöglich, weil eine Menge Vorbereitungen zu treffen waren.Einer unserer beiden politischen Flüchtlinge schlich sich in einen unserer Wagen ein; esist derjenige unter ihnen, welchen den päpstlichen Sbirren zu entziehen am dringendstenist. Der andere, Pasqualini , der nicht marschieren kann und den der Doktor Conneauweiterpflegen wird, bleibt der einflußreichen Frau Lacroix anvertraut. Schon wiederHerrin geworden, regiert und peroriert sie beim Einpacken, als ob wir nicht mehr dawären. Ich höre ihre scharfe Stimme sagen, für meine Hüte sei kein Platz mehr in denWagen, und muß, um sie unterzubringen, von der Königin einen Befehl erwirken, demnur mit sehr schlechtem Humor gehorcht wird. Herr v. Bressieux schickt für sein Teilnur ein kleines Paket mit zwei Hemden. Er hat eben Eile nach Rom zurückzukehren;wir wissen schon warum.
Man muß der Marchesa Amati ein Billet schreiben, und Briefe für die Freundein Frankreich , die Herr Roger besorgen wird, dann Herrn Angelini die Musikhefte zurück-schicken, zur Modistin und zur Schneiderin laufen, bei Torlonia einen Kreditbrief holen,und Pässe bei Herrn Malsheim und abends Besuche empfangen, als ob nichts im tunwäre. Herr Goury verreist nach Neapel sicherlich in der Hoffnung, Frl. Feray werdedarauf bestehen, dorthin zu gehen. Der Fürst und die Fürstin Gagarin kommen undgehen; auch sie gehen nach Neapel . Herrn Eynard trifft mit Herr Vernet zusammen;er fährt fort, sich durch sein Geld zu verewigen, da er es auf andere Weise nicht tun
' Siehe die Anmerkung auf Seite 1.^ Kardinal Fäsch.