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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

kann; sein letzter Gedanke war, 50,000 Fr. zu stiften für die Witwen und Waisen der-jenigen Schweizergarden, die während des Krieges umkommen .... wenn's Krieg gibt!Frau de la Fertö-Mun überwacht aufmerksam die Falten ihres Kleides aus grünemSammet, die Weite ihrer sehr durchsichtigen Aermel, und den kleinen Knoten ausgrünem Sammet, der sie am Handgelenk festhält; sie bringt beständig die Platten dieserArmbänder wieder an ihren Platz, die hartnäckig um ihre Arme sich drehen. Es ist zumVerzweifeln! Daher kann sie sich mit nichts anderem beschäftigen. Die Herren Pinto,Almeida, Olivarez wollen die letzten sein, die Königin im Namen Brasiliens zu grüßen,wie sie die ersten waren, die ihr die Aufwartung machten bei ihrer Ankunft.

Die Musignano kommen verspätet. Es kommt für uns nicht mehr in Frage, obwir die Fürstin Zönaide mit uns nehmen sollen, sei's weil sie vor Sonntag nicht reise-fertig würde, wie der Fürst behauptet, sei's weil er aus Klugheit vermeiden will, dieBewegungen seiner Frau in diesem Moment mit denen der Königin zu verbinden. Eineprinzipielle Erklärung, die er uns nicht schenkt trotz der vorgerückten Stunde, beschränktsich darauf, die Weisheit der Prinzen Eugen und Jorüme, die anno 1820 die Aner-bietungen der Karbonari ablehnten, zu rühmen. „Beide dachten, die italienische Sacheund die des Bonapartismus mit einander zu verknüpfen, wäre gleichbedeutend damit,beide rettungslos zu verderben."

Die Fürstin Zönaide meldet die Heirat der Tochter des Herzogs von Rovigo mitdem Sohn des Marchese Azzolini. Die Rovigo bewohnen coll'Ameno am adriatischenMeer, zwei Schritte von den Montforts entfernt; und da die Montfort und die Azzolininur eins sind, waren die beiden jungen Leute natürlich einander nahe genug, um sichkennen und lieben zu lernen.

Buoncavento, 20. Februar.

Herr v. Bressieux hat eine ziemlich bewegte Vergangenheit hinter sich; er war beiEreignissen beteiligt, die groß genug sind, daß die Verwicklungen unserer Reise ihn nichtstark aufregen können. Eine breite Schramme, die quer über die Stirne verläuft, machtsein Gesicht ausdrucksvoll und martialisch. Als ich ihn fragte, in welcher Schlacht erdiesen Hieb empfangen, hat er mir geantwortet: „Das ist ein Brandmal und keine ehren-volle Wunde." Er war in der Tat der Held eines Liebesabenteuers, dessen tragischerAusgang ihm nagende Gewissensbisse verursacht. Verliebt in eine verheiratete Frau, dieer vom rechten Weg abgeführt hatte, unterhielt er seit zwei Jahren Beziehungen zu ihr,als der Skandal ausbrach. Der Gatte und die beiden Brüder der Person forderten ihnzumal zum Zweikampf heraus. Er nahm alle drei an, verwundete einen tödlich, tötetedie beiden andern, und blieb selbst für tot auf dem Platze. Achtzehn Monat Pflege ge-nügten kaum, seine zerstörte Gesundheit wieder herzustellen und um einen noch grausameren,moralischen Schmerz in ihm zu heilen. Die Frau, deren Existenz er unheilbar zerstörthatte, wurde in ein Kloster gesteckt und gezwungen, den Schleier zu nehmen. Er selbst,auf dem Lande vergraben und sich verfluchend wegen all dem Blut, das er vergossen,wagte nicht wieder in Paris sich zu zeigen, wo alle ehrenwerten Leute ihn, wie er dachte,wie einen Pestkranken meiden würden.

Wie groß war seine Überraschung, als er bei der Rückkehr zu seinem Regimentvon allen Seiten der freundlichsten Zuvorkommenheit und dem verbindlichsten Lächelnbegegnete! Der Skandal, vor dem ihn schauderte, hatte ihn Mode werden lassen und