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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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Sie waren im Begriff, es mit dem Palais Leuchtenberg ebenso zu machen, das bestimmtwar, den General Geppert und den Generalstab aufzunehmen. Herr und Frau Bendoni,in verzweifelter Lage, wußten nicht, wie sie uns gegen einen zornigen Oberst verteidigenmußten, der schrie, hier werde auch eine Prinzeß nichts daran ändern, und er brauchedas ganze Stockwerk, aber, als er den Namen der Herzogin von St. Leu härte, andere Saitenauszog und plötzlich sich besänftigte.

Die Ereignisse des Jahres 1815 hatten ihn ein erstes Mal in Berührung mitder Königin gebracht, unter Umständen, die er nicht hatte vergessen können; denn siewaren für sie ebenso rührend gewesen, wie ehrenvoll für ihn. Sie begab sich damals in dieVerbannung und reiste von Paris nach Genf in Begleitung eines andern österreichischenOffiziers, Herrn v. Wvyna, der den Auftrag hatte, sie über die Grenze zu schaffen. DieserAuftrag war mündlich gegeben; Herr v. Woyna verfügte über keine Escorte; er konntedeshalb auch nicht verhindern, daß um den Gasthof in Dijon , wo die Königin abgestiegenwar, eine feindselige Menge sich sammelte, und daß sehr erhitzte königliche Garden sieund ihre beiden Kinder gefangen nehmen wollten. Ein Zug Österreicher kam geraderecht in die Stadt, um Herrn v. Woyna Hülfe zu leisten, eine Wache vor den Gasthofzu legen und die königlichen Garden zurückzutreiben, die sich eben anschickten, mit Säbel-hieben das Gepäck der Königin zu bearbeiten, um die Millionen, die es angeblich bergensollte, ans Tageslicht zu bringen.

Nun war der Befehlshaber dieser Abteilung eben dieser Oberst, dem sie nun inAncona wieder begegnete. Er anerkannte sofort, daß die Königin, indem sie die Sälemied und nur die kleinen Gemächer für sich behielt, sich auf das beschränkt habe, wasihr zukomme, und bestand nicht darauf, mehr zu verlangen. Der General Geppert, derauch anlangte, ist ein betagter Mann, höflich, genau und gut. Er entschuldigte sich wegender Störung, die er der Königin bringe, fragt, ob sie allein sei, und aus die Versicherung,daß der Prinz Louis nach Korfu abgereist sei, kündigte er seinen Besuch an, den er ab-statten werde, sobald die Pflichten seines Amtes es ihm erlauben werden.

Die Königin setzt große Hoffnungen auf diesen Besuch; aber sie muß zwei Tagedarauf warten in der unbequemsten Lage, zwischen den österreichischen Soldaten, die dasVorzimmer füllen und da auf Stroh schlafen, und dem General, von dem sie nur durcheine Doppeltüre geschieden ist. Da sie hinter dieser gebrechlichen Schutzwaud das Geräuschder Schritte und der Unterredungen vernimmt, fürchtet sie, die Stimme ihres Sohneskönnte auch vernommen werden, und sie hindert ihn am Sprechen und hält ihm denMund zu, wenn er hustet.

Meine Gegenwart in so beengtem Raume ist für sie fast eine Verlegenheit; aberda sie immer noch für krank ausgegeben wird, muß jemand an ihrer Stelle die Besucherempfangen. Der Graf Camerata kommt zweimal. Da er nicht ins Vertrauen gezogenworden, hat er dem Prinzen Louis nach Korfu geschrieben und den Brief am Sonntagdem General Grabinski mitgegeben.

Die Fahrzeuge, die da seinerzeit in See stachen, sind ohne Unfall ans Ziel gelangtmit Ausnahme dessen, das den armen Zucchi trug. Eine österreichische Fregatte undeine Brigg erspähten es auf dem Meer. Sein schlechter Lauf und schwaches Vorwärts-kommen erlaubten ihm nicht zu entkommen. Alle Reisenden wurden an Land gesetzt;dann verhörte man einen nach dem andern, indem man ihre Pässe zerzauste. DerjenigeZucchis war in Ordnung; er selbst war durchgekommen ohne erkannt zu werden, und