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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

des Vormittags erwartete. Man mußte die Bauern, die uns von Asciano hergeführthatten, bitten noch weiter zu fahren. Dieses einfache Übereinkommen nahm eine Zeitin Anspruch, die uns endlos lang vorkam und führte nur zu einem neuen Hindernis.Die Hauptstraße, wo wir den Prinzen wieder finden sollten, war gesperrt. Man bessertesie aus. Wir schwenkten rechts ab, sehr ängstlich zu wissen, wie er uns einhole, ob ererraten würde, daß wir weiter gefahren wären, oder aber, erstaunt über unser Zögern,nicht am Ende zurückgehe und sich an der Pforte erwischen ließe. Endlich sahen wirihn vor einem kleinen Laden Äpfel essen. Er warf sich auf seinen Sitz gerade recht,um das Tor zu passieren und mit uns das Freie zu gewinnen.

Von Poggibonsi an befanden wir uns in unbekannter Gegend und liefen nicht mehrGefahr unwillkommener Begegungen. Gleichwohl wollte die Königin die ganze folgendeNacht Weiterreisen, um Boden zu gewinnen und außer Bereich zu kommen. Eine andereVorsichtsmaßregel, derentwegen uns Karl in Fornacette verließ, bestand darin, ihn nachLivorno voransznsenden, unter dem Vorwand, dort die Einschiffung nach Malta vorzu-bereiten; man bot so der Polizei eine falsche Fährte, die sich im Meer verlor.

Abends hielten wir eine Stunde vor einem Gasthause, und hier hörte die Königinauf, Herzogin von St. Leu zu sein, und wurde Frau Hamilton.

Unsere beiden Jungen kleideten sich als Söhne der Familie; Fritz legte die eng-lische Livree an. Herr Cailleau stieg auf unsern Hintersitz, was uns noch mehr englischenAnstrich gab. In dieser Zurüstung gelangten wir um 5 Uhr morgens nach Pisa , dessenTore noch geschlossen waren. Die Zurufe unserer Postillone öffneten sie zur Zufrieden-heit einiger Bauern, die da im Straßengraben warteten mit ihren Körben auf denKnieen. Der Polizeidiener nahm unsern Paß in Empfang, las darin den NamenMistreß Hamilton und den ihrer zwei Söhne Karl und William und war erstaunt,kein Visa darin zu sehen. Fritz, dem man die Geschichte eingetrichtert hatte, antwortete,wir wären am 11. März durch das Tor von Arezzo verreist, um das Land einmal aufder Seite kennen zu lernen und hätten seither einen Aufenthalt in der Villa Fenzigenommen. Aus die Frage, warum wir dann nachts reiseten? antwortete er, die Pferdehätten uns gestern gemangelt wegen der Reise des Großherzogs. Die Erklärungenwurden befriedigend befunden, und man sah nicht einmal in den Wagen hinein; sosehrflößt der englische Name in Italien Achtung ein.

Genua , Sonntag den 10. April.

Der Arzt sprach so beruhigend über den Fall von Herrn Zappi, und die Masernsind für die Italiener gewöhnlich so gutartig, daß die Königin vorzog, am Freitag Lucca zu verlassen und dem Kranken für den andern Tag ein Stelldichein in Santa Pietrazn geben. Sie ließ Fritz bei ihm zurück mit dem zweiten Wagen, und wir verstautenuns um 10 Uhr morgens im ersten.

Ein herrliches Wetter und bezaubernde Gegenden führten uns in drei Stunden andas Ziel dieser kurzen Etappe. Sie brachte uns auf den schmerzlichen Gedanken, derhinfort unaufhörlich dem Geist der Königin sich aufdrängt, jetzt, da die Sorge um einebeständige drohende Gefahr sie nicht mehr völlig in Anspruch nimmt. Pietra Santa ist ganz nahe bei Serravezza, wo der Prinz Napoleon seine Papierfabrik hatte. Es warrührend, den Gastwirt Karl fragen zu hören, ob wir denn nicht einen Besuch machenwollten in diesem hübschen Sitz, um dort Andenken zu sammeln, die ein so guter,