Am Hofe einer Exkönigin.
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Angelegenheit berühre wesentliche Interessen, und wenn er bereit sei, der Vermittlerder Wünsche der Herzogin zu sein, lade ich ihn ein, mich zwischen Mittag und 5 Uhrin meinem Hotel zu besuchen.
Die Antwort, die mir der General sofort zukommen läßt, lautet, er sei bereit zuallem, was mir angenehm sein könne; aber, da er den König auf einem Spazierritt be-gleiten müsse, könne er vielleicht erst später kommen. Wir warten den ganzen Nachmittagauf ihn. Eine junge Amerikanerin ist den Abend zuvor im Zimmer über uns im Wochen-bett gestorben; sie hinterläßt drei kleine Kinder und einen trostlosen Gemahl. Heutenachmittag ist die Beerdigung. Festgehalten an unsern Fenstern müssen wir diesen Sargund den Leichenwagen mit ansehen. Dieser Anblick löst bei der Königin eine schmerzlicheKrisis aus, bereu Eindruck nur langsam verschwindet. Am Abend läßt sie, um sich zuzerstreuen, zwei artige kleine Bübchen zu sich kommen, Kinder des Hauses, welche sieam Morgen belustigt hatten. Die Mutter, geschmeichelt, kommt auch mit zwei entzückendhübschen Töchterchen. Wir zählen ganz auf Karl und Fritz, denen aufs bestimmtesteeingeschärft war, im Vorzimmer zu bleiben bis zur Ankunft des Herrn v. Houdetot.Sie wissen, daß ich einen Besuch erwarte und daß sie mich benachrichtigen sollen, be-vor sie den Besuch vorlassen. Aber diese beiden Herren, die wahrscheinlich dachten, siekönnen es einer Person gegenüber, die nur zu mir komme, halten wie sie wollen, ent-fernten sich der eine da, der andere dort hinaus. Wir sind eben beschäftigt, mit diesenKindern zu spielen, als ein Hoteldiener mit Getöse die Türe aufreißt und meldet:„Der Herr Graf von Houdetot!" Bei diesem Namen eilt die Königin in ihr Zimmer;der Prinz verschwindet in dem seinigen, ohne von Herrn von Houdetot gesehen zuwerden, der unschlüssig inmitten dieser fremden Gesichter vortritt. Ich gehe ihm ent-gegen, um seinen Blick auf mich zu ziehen. Ich sage ihm, ich hätte das Vergnügengehabt, seine Antwort entgegenzunehmen; ich danke ihm dafür, daß er sich bei seinenvielen Geschäften Zeit genommen habe zu diesem Besuch, und da ich ihm vieles zusagen habe, bitte ich ihn, mir ins Nebenzimmer zu folgen.
Ich gehe ihm dahin voraus, mit einem Licht in der Hand. Da die Königin imdunkeln Hintergrund ist, sieht er sie nicht sofort; aber als er sie erkennt, schreit er aufmit einem Satz, daß wir uns Glück wünschen, daß die Szene keinen andern Zeugengehabt hat als mich. Glücklicherweise trennt uns eine Türe von der Besitzerin desHotels und ihren Kindern. Ich gehe zu dieser Dame zurück, die offenbar glauben muß,ich sei wenig konsequent in dem, was ich sage und tue; aber da sie merkt, daß sieüberflüssig ist, zieht sie sich zurück und läßt uns allein. Der Prinz und ich lachenwie Kinder über dieses Abenteuer. Ich stoße ihn in sein Zimmer zurück, damit seineGegenwart für alle Fälle dem Herrn von Houdetot verborgen bleibt: es liegt vieldaran, daß die Königin die erste ist, die den König davon benachrichtigt.
Alles ist nach Wunsch gegangen zwischen ihr und ihrem Partner. Sie vernimmt,daß die Fabel von seiner Einschiffung in Livorno in dem von Karl gemieteten Kohlen-bunker in Paris allgemein verbreitet ist. Man glaubt, sie sei in Malta ; man istgerührt von ihren: Unglück und ihren Wanderungen. Ihre Freundinnen, die FrauenGermain und Lindsay, unternehmen Schritte, um für sie einen Paß zu erwirken, damitsie in Marseille aussteigen und sich auf dem Landweg nach London begeben könne.
Sie setzt große Hoffnung auf das Unternehmen des Herrn von Houdetot. Aberandern Tags, Montag 25., kommt er schon am Morgen wieder und sagt, die An-