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F, Schaltegger.
Wesenheit der Königin in Paris sei eine ernste Sache. Der König hat bei dieser Nach-richt einen Luftsprung gemacht, indem er sagte: „Welche Unvorsichtigkeit!"
Persönlich ist Louis-Philippe geneigt, alles zu tun, was in seinen Kräftensteht. „Aber mit einem verantwortlichen Ministerium kann er nichts aus sich selbertun und bittet die Königin, sich nicht zu bemühen, ihn zu besuchen; er werdeseinen Premierminister Kasimir Perier rufen und ihn vor Abend ins Hotel deHollande schicken."
Diese Anordnung mißfällt der Königin und trägt mir wieder eine kleine Rolleein, nämlich Herrn Kasimir Perier bei mir zu empfangen, bevor ich ihn bei ihr ein-führe. Er kommt als Staatsmann, nicht feindlich, aber doch sehr reserviert. Er istetwa 50 Jahre alt; sein ausdrucksvolles Gesicht ist ein wenig traurig, vielleicht sogarein wenig abgespannt, aber gehoben durch den Glanz zweier schönen tiefen Augen;seine Physiognomie drückt Gradheit und Energie aus, sein Gang Tätigkeit, und nurseine hohe etwas gebeugte Statur läßt in ihm den ehemaligen Geschäftsmann und denBankier erkennen. Im Gegensatz zu so vielen Advokaten, die bereit sind, jede Sachezu vertreten, oder zu Schriftstellern, die so kultiviert und raffiniert sind, daß sie zwischenGut und Böse nicht mehr unterscheiden können, ist er ein Mann von Unternehmungsgeistund Initiative, eine Art höherer Arbeiter, der mit dem Geld wie mit einem Werkzeughantiert. Die von ihm und seinem Bruder Scipio unter dem Konsulat gegründeteBank hat seither zahlreiche Unternehmungen, wie Glas- und Zuckerfabriken und Dampf-mühlen begünstigt. Unter der Restauration zum Deputierten geworden, nahm er inden Reihen der Opposition eine wichtige Stelle ein, die den Platz, den er heute an derSpitze der Regierung einnimmt, voraussehen ließ.
Der Besuch, den er der Königin macht, zieht sich sehr in die Länge. Nach undnach interessiert sie ihn für ihre Angelegenheit und weiß ihn sogar zu rühren. Siegesteht, daß der Prinz Louis da ist und stellt sie einen Moment einander gegenüber.Der für den König bestimmte Brief wird dem Minister vorgewiesen, der einen etwasstarken Satz in Bezug auf die österreichische Intervention mißbilligt und verlangt, daßer abgeändert werde für den Fall, daß man ihn in den Zeitungen veröffentliche.
Das Geheimnis, das er beim Fortgehen zu wahren bittet, und das strenge zuwahren unser Vorteil verlangt, verpflichtet mich, zu Frau Liudsay zu gehen, nämlichum zu verhüten, daß sie selbst ins Hotel kommt und hier erfährt, was wir verbergenwollen. Just ladet mich ein Briefchen von ihr, als Antwort auf einen Brief, den Herr vonHoudetot ihr übergeben hat, ein, ihre Ungeduld zu befriedigen und ihr so bald alsmöglich Nachrichten zu überbringen von der guten Herzogin. Sie wohnt bei einerCousine, Frau Saulnier, die soeben mit 33 Jahren ihren Gatten verloren hat, undbei der sie all ihre Zeit verbringt. Hier machte ich ihr gestern Montag abend, meinenBesuch. Sie ist gut, geistreich und gefühlvoll und vergießt mit mir Tränen, indem ichihr unsere unglücklichen Schicksale erzähle. Herr von Houdetot kommt dazu, setzt sichund hört zu. Ich weiß, daß er Hausfreund ist in dem Hause.
Indem er mich zum Wagen geleitet, erklärt er, ich hätte bei diesem Besuch, dermir Verlegenheit bereitet, so wenig als möglich gelogen und ist sehr zufrieden mit mir.„Aber ist die Königin zufrieden mit K. Perier? Sollte der Minister vielleicht zu vielGeschäftsgeist und Sprödigkeit bewiesen haben?" Ich antworte, die Königin hätte aller-dings vorgezogen, direkt mit dem König zu verkehren; ein trauerndes Herz, wie das ihre,