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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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mache nur Anspruch auf Mitleid, und nach all ihren Leiden außerhalb Frankreichs habesie ein Recht auf Mitgefühl im eigenen Land.

Ich schmeichle mir, ihn gerührt zu haben, wo nicht durch meine bloße Beredsam-keit, so doch mit Hülfe der beiden schönen Augen, welche soeben unser Unglück vor ihmbeweinten. Und das ist jetzt mein Triumph: Herr Kasimir Perier kommt abends nocheinmal ins Hotel de Hollande. Er fragt vorsichtig, ob die Königin ihres Gesindessicher sei und wer ich sei, und beruhigt sich, als er den als so ehrenwert bekanntenNamen meines Vaters hört, und entschließt sich endlich, vor mir anzukündigen, derKönig sei bereit, zu tun, was die Königin wünsche; es wird ihm ein großes Vergnügensein, sie zu empfangen. Heute werden zwischen der Königin und Herrn von HoudetotZeit und Verlauf dieser Audienz verabredet. Abends 8 Uhr holt er sie in seinem 'Wagen wie zu einem Liebesabenteuer ab und führt sie zu ihm in den Palast.

Meine Aufgabe ist, den Prinzen zu hüten, der gestern schon unpäßlich war undheute abend ernstlich erkrankt ist. Ein Arzt, den man hat kommen lassen, stellte Fieberbei ihm fest und verwies ihn ins Bett. Es handelt sich noch um die Masern vonAncona her, welche zu heilen die Ereignisse nicht gestattet haben, und die nun in Paris noch einmal zum Ausbruch kommen. Die Schwierigkeit besteht nur darin, den Krankenzum Parieren zu bringen und ihm alles auszureden, was ihn aus dem Hause zieht.Diesmal hält er sich übrigens still unter seiner Daunendecke, was mir erlaubt, bismeine gute Königin zurückkommt, mein Tagebuch bis heute nachzufühlen.

Mittwoch, 27. April.

Die Köuigin ist zurückgekommen, entzückt von ihrer Audienz bei Louis-Philippe .Sie konnte es bei ihrer Rückkehr dem Prinzen nicht genug wiederholen und da sie sichüber den Fall mit allen Einzelheiten verbreitet, glaube ich Wort für Wort für daseinstehen zu können, was ich hier niederschreibe.

Sie sprach zuerst von ihrer unerwarteten Anwesenheit in Paris und von demVerbannungsgesetz, das sie verletzt habe. Der König sagte, er kenne die Leiden derVerbannung aus eigener Erfahrung. Er hat mehr als 20 Jahre außerhalb Frankreichs zugebracht. Gezwungen, Stunden zu erteilen, um leben zu können, war er 1793 Pro-fessor an dem Kollegium des kleinen Städtchens Reichenau, * dessen Dächer wir vonunsern Fenstern auf Arenenberg aus sehen können. Das Gesetz vom 2. Septemberjüngsthin, hat er beigefügt, ist nur eine Neuauflage desjenigen von 1815. Er hättenie gestattet, daß seine Regierung die Initiative zu einer feindseligen Maßregel gegendie Bonaparte ergreife. Aber er mußte, wohl oder übel, den Paragraphen des Gesetzesvon 1815, der sich auf ihre Familie bezieht, von neuem beschließen lassen. Dieöffentliche Meinung hatte ihm soeben die Rückrufung der Verfassungsfreunde auferlegt,die durch einen Paragraphen des Gesetzes vorgesehen war; es war ihm aber unmöglich,die nämliche Bestimmung auf die Bonaparte auszudehnen, weil das Schicksal derselbenim Einvernehmen mit den Mächten geregelt worden war und das Grundprinzip derneuen Regierung darin besteht, nicht an den Verträgen von 1815 zu rütteln.

Die Königin hat geantwortet, die einzige Persönlichkeit der Familie, der gegenüberdiese Verträge noch einen Sinn haben könnten, sei der Herzog von Reichstadt. Es sei

> Fräulein Masuyer verwechselt hier die Insel Reichen»» im Untersee mit dem Schloß Reichen»»im Kanton Graubünden , beim Zusammenfluß des Vorder- und Hinterrheins.