Am Hofe einer Exkönigin.
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des Lord Dudley. Sie bekommt von ihrer Stiefmutter eine jährliche Pensionvon 10 000 Louisdors. Der junge Herzog von St. Man hat es nicht unterseiner Würde gehalten, seinen Titel und sein schönes Gesicht gegen die Millio-nen der Frau Kuntz auszutauschen. Er hat sie Lei Hofe eingeführt, wo sie,weil geringschätzig angesehen, in Wut geriet und die beißenden Witze, derenGegenstand sie war, tragisch nahm. Darum war ihre Freude groß, den Besuchder Königin zu empfangen. Indem sie uns die Zulüftungen des Festes zeigt,dringt sie in uns, um uns doch noch unter der Zahl ihrer Gäste zu haben.Ein Vesperbrot von sieben oder acht großen Fleischplatten und von allerleiWeinen wurde ausgetragen. Man konnte da vier Orangenbäume sehen, die vonSt. Leu kamen und vom Prinzen Conds geschenkt wurden. Lady Glengallmachte den Dolmetsch, da die Herrin des Hauses kein Wort Französisch ver-stand, und die Königin zeigte sich besonders liebenswürdig in der Hoffnung,hier eine Käuferin für ihr berühmtes Krönungskollier zu finden.
Am Donnerstag hätte ich am liebsten auf das Frühstück der Bedford ver-zichtet, da ich zahlreiche Briefe zu schreiben hatte, so an die Herren vonBoubers, von Ragusa und von Massa; auch mehrere Entschuldigungsschreiben,um Einladungen dankend abzulehnen. Aber die Königin wollte in einer ihrso fremden Gesellschaft nicht allein bleiben. Sie trug ein sehr geschmackvollesKostüm, ich mein rosa Mohairkleid, zu dem sie mir ein Kompliment machte.Wir hatten wohl daran getan, etwas für unser Aeußeres zu tun, denn dieEleganz um uns herum war ganz außerordentlich. Eine dreifache Reihe vonWagen füllte die Zugänge, eine Menge hübscher, glänzend geschmückter Frauendurchlief die Alleen des Gartens nach allen Richtungen. Lady Bedford hatihren Gemahl vorgestellt und ihre frühere Einladung wiederholt, die Königinin Wooburn Abbey zu empfangen und hat ausführlich den Weg, wie manhingelange, beschrieben und ist dann bald verschwunden, indem sie mit derHand'auf das Zelt mit den Erfrischungen deutete; es gab Gefrorenes, Tee,Früchte aus allen Himmelsgegenden und Jahreszeiten. Wir haben Herrn Erdodidort gefunden, eine unserer Bekannten von Rom . Er bittet um die Erlaubnis,einen Herrn von Dietrichstein vorstellen zu dürfen, den Sohn des Erziehersdes Herzogs von Reichstadt. Der Graf Walewski war mit Lady Mnlgrave da;er bot mir den Arm zu einem Rundgang durch deu Garten.
Die Reise nach Paris , von der er eben zurückgekommen ist, gibt ihmHoffnung auf baldige Rettung seines heldenmütigen Vaterlandes. Mit Feuererzählt er mir von den Gefahren, denen er sich für dasselbe ausgesetzt, von seinerGefangennahme in Preußen, wo man Vorkehrungen traf, ihn unter Eskortenach Petersburg zu führen, von seiner Flucht durch .ungeheure, schneebedeckteWälder Um durchzukommen, mußte er sich als Schauspieler ausgeben und mitHarvey reisen, der nach großen Erfolgen in Polen nach Frankreich zurückkehrte.
Unterdessen irrte die Königin am Arm der Miß Brook, einer Schönheit,die aus Florenz zurückkommt, umher und war gerührt, von Italien reden zuhören. Unsere ganze Gesellschaft hat sich wieder zusammengefunden vor denSälen, wo die reichbesetzten Tafeln sich bald füllten, bald wieder leerten. HerrWalewski hat uns da einen jungen blonden Kavalier von militärischer Haltung