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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

gezeigt, der niemand anders war als der tyrannische Herzog von Braunschweig ,der kürzlich durch sein Volk entthront und durch seinen jüngeren Bruder ersetztworden ist. Ich hätte mich an den Arm des Prinzen anklammern mögen. Erist immer mein Rückhalt in dieser Menge, die .mich einschüchtert und michfühlen läßt, wie wenig ich bin. Aber der Major Webster, einer seiner Freundedieser Abendgesellschaft, kam ihn aufzuheben, um ihn zur Herzogin von St. Albanzu führen, und so mußten wir allein mit Lady Glengall unsern Wagenkommen lassen, und sind nach Hause gefahren.

Vorgestern, Freitags: Fahrt nach Richmond und Frühstück bei der Marquisevon Byonde. Wir sind mit Lord Dudley hingefahren und mit seinem kleinenFrenk (Kosenamen für Francis), einem reizenden Bübchen von sechs Jahren,mit dem der Prinz auf dem ganzen Wege sich lustig gemacht hat. Die Haus-herrin erwartete uns in einer schönen Bibliothek neben einem großen Kamin-feuer. Sie ist betagt, leidend, aber vollkommen liebenswürdig. Jeder setztesich hin, wo es ihm gerade paßte, ohne daß irgend jemand den Leuten Plätzeanwies oder sie bediente. Ich war bei einer Gartentüre stehen geblieben;auf einen Wink des Prinzen, der immer aufmerksam und gut gegen mich ist,nahm ich neben ihm Platz.

Ein Lord James Stuart von der.königlichen Familie war da mit seinerGemahlin, die höchst anmutig war, dann der Herzog und die Herzogin vonSt. Alban; letzterer sehr Übeln Humors; wir erfuhren bald warum. Heutemorgen nämlich, als sie sich nach Richmond begab, war sie unterwegs einemberittenen Diener begegnet in der Livrse ihrer Stieftochter und mit einem Briefin der Hand. Da sie nicht zweifelte, daß das Billet für sie bestimmt sei, hattesie es gelesen, ohne nach der Adresse zu sehen, die auf einen Herrn der Nach-barschaft lautete. Lady Byonde bat ihn darin zum Frühstück mit der KöniginHortense , wobei sie ihr Bedauern ausdrückte, daß er auch die langweiligeHerzogin von St. Alban treffen würde. Dieses Histörchen wurde den Nach-mittag fleißig herumgeboten; aber die Königin hat den üblen Eindruck beider Herzogin wieder verwischt, indem sie die Loge in der italienischen Operannahm, welche diese ihr für den Abend ailbot. Man mußte sich stoßen zumDiner, Toilette machen und im Vorbeigehen der Lady Dudley einen unnützenBesuch machen. Ihr Gemahl entschuldigte sie, da sie sehr leidend sei, und sie hatuns tatsächlich im Bett empfanden. Aber eine Stunde später begegneten wirihr wieder im Theater. Diese Frau wird noch ihre Gesundheit ruinieren.

Rubini gab sich in dem Stück „Lindor" nicht die Mühe, den Mund zuöffnen und seine Frau heulte in „Elvire". Frau Pasta ihrerseits schien nichtganz auf der Höhe ihres Könnens, sie hatte zu enge Schuhe und wütendeZahnschmerzen. Lord Dudley hatte in unserer Loge dxn Prinzen remplaziertund ihn zu Lady Christine geschickt. Der Prinz benützte dieses Chasss-croiss, umden ganzen Abend seinen kleinen Geschäften nachzugehen, und vergaß darüberuns, so daß nach Schluß der Vorstellung dieser verlorene Sohn nirgends zufinden war, was der Mutter Verdruß und Aerger brachte.

Sie hatte bei der Herzogin eine Tasse Tee- angenommen, die sich dannzu einem feinen Nachtessen auswuchs und uns viel zu tief in der Nacht