Am Hofe einer Exkönigin.
31
festhielt. Aber der Hauptzweck wenigstens wurde erreicht, insofern als die Köni-gin die Unterhaltung auf den projektierten Verkauf ihrer Pretiosen brachte.Die Herzogin hat ihr mit Stolz ihren Schmuckkasten gezeigt; und es wurdeein Tag bestimmt, um das Kollier mit Muße zu betrachten.
Der Herzog von Wellington hatte am nämlichen Abend zu Ehren des Tagesvon Waterloo ein Diner gegeben, dem der König beiwohnte, wobei er demHerzog einen Ehrendegen überreichen ließ.
Mittwoch, den 22. Juni.
Die Königin, welche gestern den ganzen Tag auf ihrer Chaiselongue ausge-streckt blieb, ließ sich von mir die Zeitungen vorlesen. Der „Tcmps" hatte dieBerichtigung des Prinzen in seiner Nummer vom 20. abgedruckt. Dieses Stückwurde mit Verstand genossen. Aber als ich in der „Quotidienne" den BriefLafayettes an seine Wähler zu lesen begann, unterbrach sie mich bald, das seifades und verschwommenes Zeug und ich hätte wahrhaftig eine seltsame Art,ihr die Langeweile zu vertreiben.
Sie mag den Lafayette nicht, gegen den sie die Voreingenommenheit desKaisers geerbt hat: sie kann es ihm nicht verzeihen.
Der Prinz ist um sechs Uhr heimgekommen von der Eröffnung des Parla-ments, wohin ihn Herr Fox mitgenommen hatte. Da sie zu spät waren, hattensie die größte Mühe, in den Saal zu gelangen, haben aber gleichwohl die ganzeThronrede mit angehört.
Der Prinz erzählte in belustigender Weise von den Aengsten des Herrn Foxvor dem Pöbel. Er schilderte, wie er sich in einen vorüberfahrenden Wagenwarf und wie das zufällig gerade der Wagen seines intimen Feindes war. Daskam daher, weil die Frechheit des Pöbels keine Grenzen kennt. Der Prinz hatauch ein Müsterchen davon abbekommen, als er in einer Kneipe ein Goldstückwechseln ließ, was ihm Verwünschungen und Gejohle eintrug.
Die Unterhaltung während des Diners setzte sich über dieses Thema desgegenseitigen Klassenhasses fort. Die Königin beharrte darauf, man müsse die-jenigen, welche unten seien, unten halten und ihnen zu diesem Zweck das Gewichtder gesetzmäßigen Gewalt zu fühlen geben. „Aber mit welchem Recht wollen Siesie denn unten halten?" warf ich ein. „Wie kann man sich denn^auf das Volkstützen, wenn man es absichtlich mundtot macht?" Die Königin antwortete, oftsei es nur die Eigenliebe und die Eitelkeit, die sich gegen die Autorität auf-lehnen; die wahren Bedürfnisse des Volkes hätten nichts gemein mit den ehr-geizigen Zwecken der Tribunen, Pedanten und Schulmeister; diese verachten denPöbel ebenso wie sie die Aristokraten hassep und aus oft sehr kleinlichem Neidverteidigen sie ihre vorgeblichen Prinzipien und werfen sich zu Kämpen desRechts auf.
„Der menschenscheue Le Bas",i bemerkte hier der Prinz, „hat sich niedarein finden können, der dritte bei Tische zü sein, und als er heimkehrte, freuteer sich vor allem darüber, daß er nun die Flügel der Poulets essen dürfe, nachdem^er sich in Arenenberg so lange habe mit den Schenkeln zufrieden geben müssen.
' Einst Lehrer des Prinzen.