Buch 
Veränderung der Erdoberfläche innerhalb des Kantons Thurgau in den letzten 200 Jahren / von H. Wegelin
(Frauenfeld)
Entstehung
Seite
129
JPEG-Download
 

129

IV. Der Wald.

A. Lage.

Die thurgauischo Siedelungsgeschichte lehrt uns in bezugauf den Wald:

1) Schon in der prähistorischen Zeit waren die Seeufer,die trockenen Talböden und die sonnigen Terrassen bewohntund zum Teil beweidet, zum Teil bebaut; die Höhen aberbedeckte dichter Wald.

2) In der Rümerzeit fand kaum große Rodung statt.Der Landesherr schaute mehr auf die Anlage und die Weg-verbindung fester Plätze in diesem Grenzland, als auf intensivereBebauung.

3) Die Allemannensiedlungen des 5.7. Jahrhunderts be-schränkten sich auch hauptsächlich auf die bereits unter Kulturgestandenen Talböden und drangen nur vereinzelt gegen dieHöhen vor.

4) Erst die grundherrliche" Siedelung der Frankenzeit ungefähr mit der Gründung der Klöster Reichenau (72.4)und St. Gallen (720) beginnend - - rodete allgemein undüberall in den Wald hinein, der die Höhen bedeckte.

5) Diese Ausdehnung der Kulturfläche ins Waldland hineinmußte aber nach einiger Zeit zum Stillstand kommen:

n. weil der noch vorhandene Waldrest für die March-genossen Bedürfnis war und sich ohne Not nicht mehrreduzieren ließ;

b. weil in den hohen Lagen Klima und unfruchtbarerBoden die Siedlung häufig unrentabel machten.

Dieser Stillstand muß schon im 13. Jahrhundert geherrschthaben, und seit dieser Zeit ist der Wald im großen undganzen da gewesen, wo wir ihn heute sehen.

Kleine Aenderungen an den Waldgrenzen sind selbst-verständlich zu jeder Zeit vorgekommen, bei Erbteilungen,bei Neusiedelungen, bei Wüstungen, in Kriegszeiten unddergleichen; aber als Ganzes steht eben der Wald andem von der Natur und den Wirtschaftsverhältnissenbedingten Platz, und jede willkürliche Aenderung rächtsich schnell durch Unrentabilität, durch Versagen des Schutzesvor Naturschaden, durch Versiegen der Quellen etc.

9