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Des hl. Gallus Zelle an der Steinach im Jahre 614 / von Dr. Anton Henne
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Doch was man Schönes schaute in all dem bunten Kreis,der Nibelungen Frauen gab Jedermann den Preis.

Die Königinn rot vor Zorne trat jetzt vor ihre Schaar,wie Grimhild vor der ihren bereit zu gehen war,und hieß sie vor allen Rittern gebieterisch stille stehn:

Es soll nicht die Vasallinn vor des Königes Weibe gehn.

Still stuhnd der Ute Tochter, und sprach in mildem Mut:du hast ein Ding begonnen, das endet dir nicht gut.

Ich habe mich baß besonnen, wir wollen die Wette lan;wir haben doch zwen Brüder, und drum geh du voran.

Die Königinn aber lachte und höhnend also sprach:

Du siehst dein Spiel verloren, und darum giebst du nach.

Nun wurde auch Grimhild zornig und rot ihr Angesicht:

Du hast mich falsch verstanden, denn also meint' ichs nicht.

Wohl darf ich weiter gehen, ich bin ein züchtig Weib,dem keine geheime Buhlschaft geschändet je den Leib.

Wer spricht mit mir von Schänden? sprach jetzo Brunehild ,und stuhnd da vor den Mannen ein zürnend Assnbild.

Die Grimhild rief: ich selber! Weißt du denn nicht einmal,wer durch die Flammen geritten um deinen Walkürensaal?

Wer hat den Ger geworfen, vor dem du sankst ins Knie?

War das dein Mann? und ahntest den wahren Sieger nie?

Auf all der Welt nur Einer hat diese Asenkraft,der die Walküre bezwungen trotz ihrer Meisterschaft.

Nun funkelten Brunhilds Augen, sie trat auf sie hinzu:

Das lügst du vor dem Volke. Wer hat nun Schand als du?Jetzt bebte die hohe Grimhild, jetzt hob sich ihre Brust:

Du zwingst mich selber zu machen, daß du gestehen mußt.

Du warst ja eine Küre, nun sag mir, wie es kam,daß ein Vasall, du Stolze, dir deinen Goldring nahm?*)

Da siehst du ihn vor Augen, nun ists dir, hoff' ich, klar.

Und blieb dir bis heut verborgen, daß es mein Sigfrid war?Wie sie ersah den Goldring, da wurde sie weiß wie Schnee,und durch das Herz ihr zuckte ein ahnungsvolles Weh.

Sie sah nicht mehr wie Grimhild stürmt' in den Saal hinein,da stuhnd sie starr und schweigend, ein Bild von Marmorstein.

*) Anspielung auf die berühmte, mythische, Bezwingung Brunhilds in der Braut-nacht durch Sigfrid, den sie dort nicht kannte.