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Des hl. Gallus Zelle an der Steinach im Jahre 614 / von Dr. Anton Henne
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gefunden hast vor ihm, und weit entfernt, daß, wie du wähnst, deinLeben keinen Werth mehr habe auf Erden, es Hunderten und Tausendenzum Segen werden soll, wofern du dich vom guten Hirten findenlässest, der dich sucht. Ist dir diese Welt nichts mehr, so kennen wireine höhere, und in diese möchte ich dir einen Weg weisen. DeineJugend ist, wie du sagst, allzu leicht und fröhlich gewesen. Sollteer dir nicht gerade deshalb ein Joch auferlegt haben, das diesen Sinnbeugt und dir den entschlossenen Ernst gegeben hat, den ich in deinemganzen Wesen erblicke? Wenn du der Welt entsagen willst, so trittin seinen Himmel, der dir tausendfachen Ersatz für den Regenbogen-schimmer von jener beut. Du hast bewiesen, daß du großer Opferfähig bist. Das können nur Seelen, denen er besondere Kraft ver-lieh. Höre, meine Tochter. Der Herr hat in der Nähe von Briganzeine Anzahl Wesen deiner Art in einen Schwesternbund vereinigt,Mädchen und Witwen, welche entweder die Welt fürchtend oder ihrerüberdrüssig, dort in die Hütten des Elends Trost bringen, die Schwachenstärken, der Verzweiflung einen rettenden Stab reichen und der Um-gegend weit herum das sind, was ein klarer, kühler Born dem Ver-schmachtenden, ein winkend Licht dem trostlos Verirrten. Was sagstdu dazu, dich ihnen mit deiner reichen Liebe anzuschließen, wo deineWunde vernarben wird und du im Umgänge mit Gott für die Mit-menschen, für die Deinen und Denjenigen, der deine Seele so sehrfüllte, leben und beten kannst, bis der Wille der Vorsehung auch dichhinüberführt? Haberilia, welche zuerst mit Zagen, dann mitsteigender Hoffnung, endlich mit selig stralenden Augen seine Worteverschlungen, rief jetzt: o Bote des Himmels, wenn du mich dorthinführen kannst und mich würdigst es zu thun, so verdanke ich dir, daßdie Verzweiflung, die ich so lange im Herzen trug und die ich darinverschließen mußte, aus Liebe für die, die mich so sehr lieben, michnicht völlig erdrückt. Nur hier hielt sie plötzlich inne und blickteschmerzlich auf das Kind herab, welches jetzt sanft schlief. Ich ver-stehe dich, sagte Galt, ich verstehe dich. Aber noch diesen Abend wirdder Himmel diesem Kinde eine Mutter senden, welche an Zärtlichkeitfür es dir kaum nachstehen wird. Es giebt nur eine auf Erden,von der ich so was erwarten darf, heiliger Vater. Diese einzigeist es, meine Tochter. Ueberlege nun, was wir jetzt besprochen, reiflich,und thue nichts übereilt. Der Herr liebt nur einen Geber, den dieGabe nicht reut. Ich bleibe bei euch, bis die Erwartete, nach welcherich Albin geschickt Habs, hier eintrifft.

Denselben Abend wurde Hildegard von Hohenbüel, begleitet