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Des hl. Gallus Zelle an der Steinach im Jahre 614 / von Dr. Anton Henne
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ein Ruf des Erstaunens, und Kunzo erhob sich mit starrem Blickehalben Leibes, als sähe er eine Erscheinung. Victor lebt. Er ist,in jener Nacht gerettet, der Mann, den sie den Sunadur heißen.Oh, rief Kunzo unwillkürlich, meine Ahnung, als ich horte, er seiin der Nähe! Er siedelte sich an der äußersten Grenze Rätiensan, um in der Nähe seines Sohnes Vigilius zu sein. Er ist unter-richtet, daß ihr nichts gegen sein Leben im Sinne hattet, und euereBesorgniß, er werde gegen euch auftreten, war ungegründet. Erwar am Höfe, aber nur für sein Recht und seinen Sohn. DieAschtung ist zurückgenommen und er in seine frühere Stellung ein-gesetzt. Dauern euch die ihm entzogen gewesenen Leben, in deren

Besitz er dadurch wieder tritt? O das weiß Go^t, betheuerte

Kunzo, wie gerne ich sie ihm wieder abgetreten hätte; aber ich konnte,trotz meiner Ahnung, weder Gewißheit darüber noch Ruhe erwarten,weil mir das Schreckliche nur allzu ausgemacht schien. Für dieseseine Lehen, sagte Gall, bringt er euch Frieden, Ruhe und eueres

Kindes Glück. Bis hieher hatte die Herzoginn jedem Worte des

Greises athemlos gehorcht, wie ein Durstiger in der Wüste am klarsprudelnden Borne trinkt, und, die Hände gefaltet, in des Sprechen-den Gesicht geschaut; hier stuhnd sie auf: Ihr bringt sie, heiligerVater? ihr bringet sie? Fridiburg ist mit mir aus dem Franken-lande geritten, wo die Königinn Berchtatrud sie meinem schwachenSchutze empfahl. Gott war mit uns, und wenn kein Unfall da-zwischen getreten ist, soll sie heute hier eintreffen. Saget mir nun,Herzog Kunzo, seid ihr gefaßt genug, den Präses Victor jetzt zusehen, der hierauf vorbereitet ist und allen Groll aus seinem Herzenentfernt hat? Des Herzogs Brust arbeitete schwer, er schauteseine Gattinn an, und konnte nicht gleich antworten. Da faßte dieseseine Hand: denke an unser Kind, Kunzo, deinen Liebling, und fasseMut! Eufemia, erwiderte er, da ich sehe, daß du mir vergebenund hoffen kann, daß es Gott auch thun werde, will ich den Schritt,der gethan werden muß, mit seiner Hilfe thun. Ich will euchdazu einen Begleiter geben, sagte Gall, der kräftig genug ist, euchzu unterstützen. Hiemit öffnete er die Thüre, und der jungeVigilius stürzte auf ihn zu. Ihr habet mich eueren Sohn ge-heißen, Herzog Kunzo, rief er, nehmet mich wieder auf wie früher.Ich werde dem, was ihr an mir gethan, nie Unehre machen.Das weiß ich von dir, mein Sohn, entgegnete der Herzog erleichtert,nachdem er ihn lange erfreut angesehen, legte dann beide Händeauf seine Schultern, und drückte ihn endlich warm an sich. Ver-