Buch 
Dr. Adolf Wartenweiler, Romanshorn : : ein Lebensbild, nach eigenen Aufzeichnungen
Entstehung
Seite
19
JPEG-Download
 

19

Am meisten gespannt war ich in meinem neuenWirkungskreis" auf die französische Sprache, da ichin der Tat der Ansicht war, daß ich einzig und alleinderenthalben die Sekundärschule besuchen müßte, undabsolut nicht begreifen konnte, daß da einer und dorteine sich von den Französischstunden dispensieren ließ.Diesen Unterricht erteilte den Erstkläßlern, denFrö-schen", wie wir von den Schülern der oberen Klassenhöhnisch genannt wurden, Herr Braun, ein ebenfalls sehrtüchtiger Lehrer. Er war blaß, trug, wie ich spätererfuhr, schon den Keim der Schwindsucht in sich, waroft gereizt, etwas jähzornig, und sein lederner Gurtfuhr oft klatschend um die Köpfe. War zufällig (?)einmal die Schnalle am äußern Ende, so setzte es oftblutige Striemen ab! aber deswegen lief keiner zumSchulpräsidenteu, Klage zu führen. Trotz alledem wärenwir alle für ihn durchs Feuer gegangen. Einmal wardie körperliche Züchtigung in zehn Fällen neunmal einewohlverdiente, und dann wußten wir, daß die Sachenicht so böse gemeint, und wenn der Zorn verflogen,der Herr Lehrer wieder der liebste und beste Mensch war.

Auch Herr Schuppli war etwas jähzorniger Natur,und wenn er sich von seinem Temperament in Wortund Tat etwas hatte hinreißen lassen, so war es ihmbitter leid, oft mehr als dem Gemaßregelten. Da kamer aus eine originelle Idee, so originell, daß zweifels-ohne weder vor noch nach ihm ein Pädagoge daraufverfallen ist.Burschen", sagte er eines Tages,wennihr seht, daß meine gornesader anschwillt oder sonstZeichen eines anbrechenden Sturmes vorhanden sind,