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Exegetische Briefe über des Marcus Vitruvius Pollio Baukunst : an August Rode / von Hans Christian Genelli
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Fünfter Brief.

Über die Jonische Ordnung.

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achdem wir nunmehro die Gattungen der Tempel, so wie Vitrnv sie uns nach

ihren bedeutenden Verschiedenheiten aufstellt, durchgegangen und zu erläuterngesucht haben; so erlauben Sie mir in derselben Materie sogleich noch einenSchritt weiter zu gehn und Ihnen meine Bemerkungen über seine Constructionder Säulenordnungen mitzutheilen, da er selbst sie hauptsächlich in Hinsicht aufden Tempelbau entwickelt.

Auf den ersten Anblick möchte es wohl scheinen, als nähme Vitruv vier ver-schiedene Ordnungen an: die Jonische, die Ko rintische, die Dorische und dieToscanische. Allein genauer betrachtet, so hat fürs Erste die Korinthischenichts Eigenthümliches oder Characteristisches aufzuweisen, aufser allein dasKapitell, welches für sich wohl die Säule selbst auszeichnet, auf keineWeise aber eine besondere Ordnung zu constituiren vermag: als wozu vor allemeine eigenthümliche Construction des Gebälks erforderlich ist. Auch betrachtetVitruv beide, das Korinthische wie das Voluten-Kapitell, durchgängig als einer undderselben Ordnung zugehörig. Beim Gebrauch des Korinthischen Kapitells behälter alle andern Theile der Jonischen Ordnung bei, ohne sie w r eder der Gestaltnoch den Dimensionen nach im geringsten abzuändern: ja sogar die Höhe desSäulenschaftes bleibt in den Verhältnissen der Jonischen Ordnung, so dafs nur dietotale Säulenhöhe durch das höhere Kapitell, jedesmal um zwei Drittel der Säulen-dicke, gröfser wird als wo er das ältere Jonische oder Voluten-Kapitell anwendet a).Sodann beweisen auch die Worte, mit welchen er die Beschreibung des letztemanhebt: capitulorurn ratio* si pulvinala erunt» his etc . b)wenn esVoluten-Kapitelle seyn sollen dafs er in derselben Ordnung beide Ar-

a) Siehe Lib. IV. Cap. I. gleich Eingang?.L) Lih. III. Cap, III. p. ;i.

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