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Exegetische Briefe über des Marcus Vitruvius Pollio Baukunst : an August Rode / von Hans Christian Genelli
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Die Höhe des Cymatium bestimmt Vitmv gar nicht. Die Ausleger findensich bewogen (lediglich durch die Autorität einiger schlechten Kapitelle aus derRömischen Zeit) der Volutenfläche auch zwischen beiden Voluten durchweg diegleiche Breite von zwei Minuten zu geben, da denn für die Höhe des Cymatiumdrittehalb* übrig blieben. Allein bei dem beträchtlichen Vorsprung desselben be-deckt es ohnehin schon zu sehr jene niedrige Volutenfläche im Mittel des Kapi-tells, so dafs dadurch die Voluten selbst an den Seiten gleichsam herabzusinkenscheinen und dem Ganzen einen matten Anstand geben. An den schönsten Ka-pitellen, die wir noch aus dem Griechischen Alterthum besitzen, wächst jene Flä-che im Mittel der Fronte um ein beträchtliches an, so dafs ihre Breite unaufhör-lich wechselt und ohne Stillstand fortfliefst; welches viel mehr Leben in den Um-rifs bringt und unläughar von der Analogie der Haupthaare hergenommen ist. Obnun Vitruv schon nichts hierüber festsetzt, so meine ich doch, dafs man ihn nicht

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aus eigener Willkühr von seinen Griechischen Vorbildern entfernen darf; und ichhabe darum zum mindesten die Dimensionen umkeliren wollen, und dem Cyma-tium zwei Minuten zur Flöhe gegeben, die übrigen drittehalb aber zur Breite derVolutenfläche genommen. Der Vorsprung des Cymatium vor der Plattesoll den Durchmesser des Volutenauges, betragen: d. h. Eine Minute. Solchesaber ist von der untern Schärfe der Platte aus zu rechnen; denn setzt man den an-gegebenen Vorsprung vor die obere Breite derselben hinaus, so wird die Ausla-dung des Cymatium gar zu ungeheuer. Und dafs dem also seyn solle, wird sichsogleich erweisen.

Die Axes der Voluten dürfen in ihrer Breite den Durchmesser desAuges nicht überschreiten; und die Volutenfläche selbst soll also ausgehölt wer-den, dafs ihre Vertiefung das zwölfte Theil ihrer Breite (d. i. ein Sechstel einerMinute) betrage, Diese Zusammenstellung hat verleitet zu glauben, dafs Vitruvunter Axes hier den äufsern Saum der Voluten verstehe, welcher auf derFronte horizontal unter der Platte fortgezogen, auf beiden Seiten den eigentlichenUmlauf der Voluten bildet und an den Augen endigt. Allein dieser Saum kannunmöglich hier gemeint seyn, weil die angegebene Breite für ihn zu ungeheuerist, da sie die Hälfte der Volutenfläche wegnehmen und ihrer Aushölung nur daswiderliche Ansehn einer engen Rinne lassen würde. Auch würde in diesem FallVitruv schwerlich den Namen im Plural gesetzt haben, da er immer nur von derEinen Fronte redet, und da giebt es ja nur Einen solchen Saum. So deutetauch die Art, wie er die Tiefe der Aushölung (aus der ganzen Breite der Fläche)bestimmt, darauf, dafs er gegentheils jenem Saum nur eine geringe Breite erlaubt,und sie auch deswegen eben so wenig angiebt, als die Breite der Ränder an der