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Exegetische Briefe über des Marcus Vitruvius Pollio Baukunst : an August Rode / von Hans Christian Genelli
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Zu diesem Behuf nun giebt er zuvörderst eine kurze Beschreibung des Dach-Verbandes, die an sich schon wichtig ist, weil, da sie allem, was von dieser Artbis auf uns gekommen ist, genau entspiicht, sie trotz ihrer Kürze und Beiläufig-keit hinlänglich deutlich, und dennoch noch von keinem Dollmetscher, und auchvon Ihnen nicht, gehörig verstanden worden ist. Erlauben Sie mir deswegen die-se Stelle, ehe ich weiter gehe, hier durch nähere Auseinandersetzung des antikenDachverbandes in ihr rechtes Licht zu stellen. Hierbei wollen wir, wie Vitruvselbst thut, immer die Tempelform, als die einfachste Gestalt eines Gebäudes, vorAugen behalten, und die Richtung des Giebels die Breite, die von Giebel zuGiebel aber die Tiefe nennen.

Also nach der Tiefe gerechnet, zwischen beiden Giebeln, wurden über, jegli-ches Säulenpaar, oder wo solche ausgingen, über die Seitenmauern der Zelle inähnlichen Weiten, das heilst nach der Gröfse des Baues von acht bis zwanzig Fufsaus einander, zuerst die Gebindbalken gelegt, die also nach der Breite, oderparallel mit den Giebeln lagen. Die Stärke derselben mufste sich nach der Grö-fse der Spannung, das heifst nach jener Breite richten. Auf nicht mehr alszwanzig Fufs Spannung war ein Fufs zur Balkenhöhe genug, auf sechszig aberzwei; und bei so grofser Spannung kämmte man den Balken aus zwei Stückenzusammen, welches dann eine trabs everganea (ein gefügter Balken) hiefs.Solches geschah aber nicht etwa blos, wenn man nicht so langes Holz aus einemStück haben konnte; sondern es wurde meist immer beobachtet, sobald die Span-nung dreifsig Fufs überstieg: weil nehmlich so langes Holz einem zu gewaltsamenWerfen ausgesetzt ist, wobei die Stätigkeit des Daches nicht mehr gesichert blei-ben kann. Dies sey vorläufig angemerkt wider diejenigen, welche (Lib. V. Cap. I.)statt trab es everganece trab es eternm lesen wollen: und hiernach müs-sen auch einige Steilen in meinem zweiten Briefe berichtiget werden, wo derselbeName irrig angewendet ist a). Aber an allem Holz, welches in waagerechter Stre-ckung tragen sollte, machte man die Stärke nie quadrat, sondern man stellte sieauf die hohe Kante. Zu einem Fufs Höhe war der Balkenkopf dreiviertel Fufszu zwei Fufs Höhe ein Fufs bis sieben Sechstel breit.

Auf jedem solchen Balken wurde aufgerichtet, was wir den Dachstuhl nen-nen würden, der mit jenem ein Gebin d macht, und auf vier verschiedene Weisenzusammen gesetzt wurde; die wesentlicli^Theile davon waren aber durchweg dieSchenkel oder Sparren, die die Bedeckung tragen, und die Firstbalken, die

a) Seite xg. Zeile 9. von oben. Seite 25. Zeile 4. von unten lind Seite 26. Zeile 14. von oben.