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Asia, oder, Ausführliche Beschreibung des Reichs des Grossen Mogols und eines grossen Theils von Indien : an sich haltend die Landschafften Kandahar, Kabul, Multan, Haikan, Bukkar, Send oder Diu, Jesselmeer, Attak, Peniab, Kaximir, Jangapore, Dely, Mando, Malva, Chitor, Utrad, Zuratte oder Kambaye, Chandisch, Narvar, Gwaliar, Indostan, Sambat, Bakar, Nagrakat, Dekan und Visiapour : nebenst einer vollkommenen Vorstellung des Königreichs Persien, wie auch Georgien, Mengrelien, Cirkassien und anderer benachbarten Länder : zusamt deren verschiednen Namen, Grenzen, Städten, Gewächsen, Thieren, Sitten, Trachten, Regierung und Gottesdienst : durchgehends mit schönen Kupfern, als Landcharten und Abrissen der fürnemsten Städte, Trachten, Thieren und Gewächsen ... aussgezieret / zusammgetragen durch O. Dapper D., anitzo aber ins Hochteutsche getreulichst übersetzet von Johann Christoff Beern
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137
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Texeira.

Und Indien.

rZ7

Salem alecun / das ist : Friede sey mit dir!Diese Scrrays werden gestifftet/ von einigenansehnlichen Leuten/ aus einem wohlgemeintenEiffer/und zum Gedächtnis / damit Frembd-iinge und reisende Personen darinnen sich be-quem-und füglich / bey abgelegter Beschwehr-riisauf der Reise / aushalten / und ausruhenmögen. Nach desTerryBericht/findet mannichts in diesen Carawanseras / als eine Her-berg/worvor man nicht einen Heller auslegendarff- Mit Lebens -- Mitteln muß man sichselbst versehen/ und dieselbe mit sich bringen.Die meisten Lander sind genugsam Volkreich /«nd wohl bebauet.

Jndostan besitzet eine grosse Menge vonGold und Silber/ obgleich allda keine Gold-und Silber - Minen anzutreffen / sondern eswird alles von den Frembden dahin gebracht /welches dann nicht mebr von bannen kommet/eben als ob es in einen Abgrund fiele. Das ge-münzte Europäische oder Ausländische Geldwird geschmolzen/ und alsdann daraus wiederneue Münze geschlagen / und mit des MogolsStempftl gepraget.

Über dies/ so führen alle Schiffe / sowohldie Indianische selbst/ als Holländische/ Engli-sche und Portugiesische / welche alle Jahr vielHandels-Wahren ausHindostan nachPegu/Tanafferi / Siam/ Zeilan/ Achem/Makaffar/Maldwes und andern Orten bringen / vielGold und Silber wieder zurücke / nach Hindo-sian. Es bekommt auch Jndostan eine großeMenge Silbers von den Holländern / welchessie von Japan erlangen / und dahin bringen.Endlich kommt von allem Gold und Silber /das aus Holland/ Engelland und Portugal!dahin gesübret wird / nichts anders als Hau-dels-Waaren wieder zurück/derRest aber blei-bet / wie alles andere/ alldar.

Dargegen hat Jndostan Mangel anPfeffer / Kupfer / Nägelein / Muscaknüßen/Kamehl Bley/Tuch und andern Dingen/wel-che die Unserigen ihnen von Japan/den Mo-lukkiscben Jnsuln/ Zeilon und Europa zufüh-ren.Uber d,eß ist in Jndostan großer Mangelan vielen frischen Früchten / welche dahin vonSamarkand / Valk/ Bokara und Persien ge-bracht werden/ als Melonen/ Aepfel/Bir-nen/Trauben/Rosinen/welche man zu Delyden ganzenWinter durch/wiewohl sehr theuer/zu Kaufffindet. Dergleichen hat man allda/das ganze Jahr / von solchen Orten gedörrteFrüchte die Menge / als Mandeln/ Pistacien /Nüsse/ Pflaumen / Pfersmg/ Rosinen u. d. g.Allda werden auch gewisse Muscheln oderSee-Hörnlein eingebracht / welche bey denMaldivischen Inseln gefischet/und inBenga-laund andern Orten/ anstatt des kleinen Gel-des gebrauchet werden; ingleichen Ambragriesvon den gedachten Inseln und von Mosam-hique; wie auch Nashörner / Elephanten -Zahne / Sclaven ausMohrenland/Muskns /Porcelan/ Perlen/ samt vielen andern Din-gen.

Große Schiffe kommen von der StadtLahor/dem Strom Sendoder Smde herab/

mit unterschiedlichen Handels-Mahren bela -den / nemlich eine große Menge von allerhandZeugen/ Zucker/ Anil oder Indigo / Garnu. d. g. welche aus den Königreichen Lahor/

Multan/ Agra/Dely/Mandoa/ Sitroh/

Utrad und andern Orten geholet werden.

Wie iztberührter Texeira berichttt/so führren des Mogols Schiffe mehr Lasten / als dirEuropäischen/und können denen TürkischenGaleern verglichen werden / welche von Con-stantinopei nach Alexanderen fahren; wiewohlsie auch auf eins andere Manier zubereitet all-da gefunden werden. Die Steuer-oderBoots,

Leute bedienen sich keines Compaffes/ wann sieaus Indien nach Persien/ Baffora/Mocha /Mozambike / Mombas / Sumatra / -Makas-sar/ und an andere Oerrer fahren wollen / son-dern siegeln nach dem Nord-Stern/ und Äuf-und Untergang der Sonnen.

Vielerlei) und unterschiedliche Völker Unterschichtwerden im Gebiet des Grossen Mogols gefum KcheVviker.den. Die vornehmsten und meisten einheimi-schen Inwohner sind Heyden oder Götzendie-ner und Mohren / welche sonst auch / nach demMahomet / als Urheber ihrer Secte/ Maho-metanergenennet werden/wie auch Mogoüer/nach dem Tartarischen Stamm Mogol/ woc-von die Mogoüer ihren Ursprung haben;wiewohl nicht alle/ welche heutiges Tages denMogollrschen Namen führen / aus demStamm derTattarischenMogoller entsprossensind / sondern es werden auch diejenigen an-ezoMogoüer genennet / weiche Mahometaner/und weiß vom Angesicht sind / auch sich in desMogols Dienste begeben haben / ob siegreichaus der Türkey/Persicn und Arabien entspros-sen. Insgemein findet man allda wohl 100.

Heyden / ehe man einen Mahometaner an-trifft.

DieJnwohner vonJndostan insgemein/waren vor Alters Heyden / und wurden mit ei-nem allgemeinen Namen Hindoes oder Hin-dous/ und von den Unserigen Hindostaner ge-trennt.

DieJndostaner schneiden und sichreren allihr Haubt- Haar ganz kahl ab / und solcheszwar zum öfftern / ob man gleich ihre Kahlheitnicht siehet / weil ihre Häubter allezeitmitTulbänden bedecket sind / welche sie nie-mahls abziehen / gleichwie wir zu thun pflegen/wann wir einander grüßen. Das viele undmannigfaltige Scheeren machet unter ihnenguteBarbierer/ welche ausir ihren Scheelemund Schermeffern einen kleinen Werkzeug ge-brauchen / in der Lange eines kurzen Pfriemen/so sehr scharff ist / wormit sie die Nagel anHanden und Füssen abschneiden und reinigen.

Ein jeder Scheerer tragt allezeit einen rundenstahInernSpiegel bey sich/der ist ein wenig aus-geholet/und wird von ihnen sehr hell und sau-ber gehalten.

DiefeScheerer verändern zum öfftern imhin und hergehen ihre Spiegel/und zeigen siedenen Manns - Personen / welche unterdessenunbeweglich sitzen bleiben.

Die Handwerks-Leuke/ ob sie gleich vonS, Natur