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Asia, oder, Ausführliche Beschreibung des Reichs des Grossen Mogols und eines grossen Theils von Indien : an sich haltend die Landschafften Kandahar, Kabul, Multan, Haikan, Bukkar, Send oder Diu, Jesselmeer, Attak, Peniab, Kaximir, Jangapore, Dely, Mando, Malva, Chitor, Utrad, Zuratte oder Kambaye, Chandisch, Narvar, Gwaliar, Indostan, Sambat, Bakar, Nagrakat, Dekan und Visiapour : nebenst einer vollkommenen Vorstellung des Königreichs Persien, wie auch Georgien, Mengrelien, Cirkassien und anderer benachbarten Länder : zusamt deren verschiednen Namen, Grenzen, Städten, Gewächsen, Thieren, Sitten, Trachten, Regierung und Gottesdienst : durchgehends mit schönen Kupfern, als Landcharten und Abrissen der fürnemsten Städte, Trachten, Thieren und Gewächsen ... aussgezieret / zusammgetragen durch O. Dapper D., anitzo aber ins Hochteutsche getreulichst übersetzet von Johann Christoff Beern
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132
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Auf dem Maidan m Ispahan werden Ge-fechte von Stieren und Widdern wider nackteMenschen gehalten / und zwar gemeiniglichdes Sommers/ und des Nachts bey angezün-deten Fackeln/wegen der grossen Tages^Hitze.Frembden Gesandten zu Ehren werden auchoffrmahls Stier-undWidder-Gefechte ange-stellet.

In des Königs Palast/und bey dessen Pan-quetten/ ingleichen bey vornehmer Herren Ga-siereyen/danzen gemeiniglich jungeWeibsper-sonen. DieserDanz geschicht nach dem Thoneiner Diara/ oder runden Trommel/ so einennicht unangenehmen Schall von sich giebt.Sie gebrauchen unter demDanzen hierzu lan-ge Schlägel von Ebenholz oder Helffenbein/oder sonst hartem Holz / die sie Ciaharparanennen / welches so viel gesagt ist / als vierStücke / deren sie zwey in einer Hand halten/und zugleich daraufschlagen/welches dann ei-nen weiß nicht was für wunderlichen Thonmachet.

Allda ist auch ein ander Instrument ge-bräuchlich/ welches sie Seig nennen/ist vonMetall/ rund/und in der Mitte hohl; wird mitder einen Hand gehalten / und mit der anderndaraufgeschlagen.

Das gewöhnlichste und vornehmste Instru-ment ist eine runde Trommel/in der Form ei-nes Siebs / worinn die Becker ihr Meel sau-bern ; wiewol grösser / und rund umher mitkeinem so breiten Rand. Auf der einen Sei-ten ist es mit einer Haut überspannet/ eben wieeine Trommel / und am Rand fest gemachet/worauf die jenigen / welche diese Musik ver-stehen/ mit den Fingern schlagen/ so stark siekönnen. Die andere Seite ist offen und ohneHaut / dagegen aber am Rand mir vielenKupfernen Glöcklein behänget. Dieses In-strument ist in ganz Orient und in Perjien sehrgebräuchlich; ja es haben die Persianer an die-sem Thon einen dermaßen grossen Gefallen/baß derKönig selbst nicht leichtlich einPanquetanstellet / da er nicht eine Anzahl Danzerinnensollte vor sich kommen lassen / welche nach die-sem Instrument zu danzen pflegen.

Die Persianische Weise zu danzen ist nichtunangenehm / weil sie stets darzu singen undzugleich danzen: dann die Weiber pflegen dieReyhen zu führen / und lieblich darein zu fin-gen / welches den Frembden einen grossen Lusterwecket. Ihre Gesänge aber sind meisten-theils mit Fleiß hierzu gemachte Danz-Lieder/von welchen die jsnige/.so den Reyhen führet/jedesmahl allein ein Gesetz oder zwey singet/und zu Ende derselben der ganze Chor zugleichdie zwischen-Verse wiederholet.

Alle,Danze des Landes/welche von gemei-nen Danzerinnen gehalten werden/ sind nichtsanders / als unzüchtige Verstellungen / derensich auch die ärgste Hure in Europa schämenwürde. Welches dann die Ursach ist/ daß dasDanzen an diesen Orten für keine ehrlicheLeibs-übung gehalten/und die Adelichen (Ver-möge eines Mohometanischen Gesetzes) sol-ches niemahls in Gegenwart der Ausländer/sondern nur m ihrem Haus/aus Kurzweil und

DasRöm'grekch / oder

unter ihren Hausgenossen thun; da dann ihre

Danze ganz züchtig/ und ihnen anständig sind/wvrmil sie unterschiedliche Geschichten und.Begebenheiten vorstellen; als zum Exempeldie Abbildung einer Frauen in Geburrs-Noh-ten/ worinnen sie ihr Schreyen / Pein undSchmerzen lächerlich ausdrücken; einen be-trübten Tod eines unglückseligen Liebhabers:Einen Kauff oder Verkaufs in einem Kram-laden; von der Weise sich an und auszuklei-den/ und dergleichen Dingen / so nicht widerEhr und Zuchtlauffen. Ist also bey denMa-hometanern ei» unverbrüchlicher Gebrauch/daß Adeliche Weiber in öffentlichen Versam-lungen nimmermehr danzen/sondern nur dieHucen/die man zu diesem Ende darzu beruffenlasset / denen dann erlaubt ist/ sich / wie esihnen beliebet/ zu Geberden und anzustellen.

Fast alle Abend spielet man an des KönigsHofe/ nach dem Laut der Instrumenten / einSpiel mit einer hölzernen Kugel und Schlä-gel / worzu jederman kommen und zusehendarf.

DerKönig pflegt unterweilen selbst etliche/so es wol spielen / ob sie schon nur schlechte undgeringe Leute sind/darzu zu beruffen. DiesesSpiel geschieht zu Pferde/ auf diese Weise:Die Spieler theilen sich zu Pferd in zweenHaussen / und schlägt eine jede Parthey/ohneeinige Beobachtung der Ordnung / nochGleichheit der Schlage/seine Kugel so weit erkan/und bemühet sich/dieselbe über des Gegen-theils Ziel zu bringen / weilen alsdann dasSpiet gewonnen ist / also daß keiner den an«dern stößet oder schlaget / sondern sie pflegendie Kugel / so von leichtem Holz gedrehet ist/mit dem Hammer / wiewol nicht vornen beyder Spitzen / sondern zur Seiten/ so am läng-sten/und etwas krumm gebogen ist/ damit siedie Kugel desto besser fassen mögen / auf derErden fortzulreiben.Der hölzerne Hammer istgleichfalls sehr leicht / und vornen nicht mit Ei-sen beschlagen / den sie allein in der rechtenHand führen / und bestehet der Vortheil undGeschicklichkeit allein darinn/ wer der Kugelmit seinem Pferd am geschwindesten mehren«nen/ und dieselbe am ersten fortschlagen / oder/wann man solches nicht thun kan/ dem Gegen-theil solches verhindern könne; weiches alleseine grosse Hurtig und Geschwindigkeit bey-des des Pferds / als des Reuters erfordert.Auf solche Weise nun werden sowol die Reu-ter / als die Pferde / durch solche Kurzweil inallen nothwendigen Kriegs - Übungen abge-richtet. Die Spieler kommen in selzamenKleidern von mancherley Farben und köst-lichen mit Federbüschen geschmückten Tul«banden recht auf Soldatisch ausgezogen/ wel-ches alles mit Luft anzusehen ist.

Eine andere in Persien gebräuchliche Kurz-weil wird von dem gemeinen Mann zu Fuß/und nicht von den Edlen zu Pferd/gespielet/welche sie den Wolff nennen. Man bringt ei-nen lebendigen Wolff mitten auf diesen Platz/und lässt denselben los. Das Volk laufst ingrosser Menge um ihn herum / und schüttelnihre Mantel in die Höhe/ wordurch dann/ und

durch