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Asia, oder, Ausführliche Beschreibung des Reichs des Grossen Mogols und eines grossen Theils von Indien : an sich haltend die Landschafften Kandahar, Kabul, Multan, Haikan, Bukkar, Send oder Diu, Jesselmeer, Attak, Peniab, Kaximir, Jangapore, Dely, Mando, Malva, Chitor, Utrad, Zuratte oder Kambaye, Chandisch, Narvar, Gwaliar, Indostan, Sambat, Bakar, Nagrakat, Dekan und Visiapour : nebenst einer vollkommenen Vorstellung des Königreichs Persien, wie auch Georgien, Mengrelien, Cirkassien und anderer benachbarten Länder : zusamt deren verschiednen Namen, Grenzen, Städten, Gewächsen, Thieren, Sitten, Trachten, Regierung und Gottesdienst : durchgehends mit schönen Kupfern, als Landcharten und Abrissen der fürnemsten Städte, Trachten, Thieren und Gewächsen ... aussgezieret / zusammgetragen durch O. Dapper D., anitzo aber ins Hochteutsche getreulichst übersetzet von Johann Christoff Beern
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136
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Das RönLgreich/ -der

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Glied gelähmten zu theil; wie zu sehen an demSchielenden ^L>ohn desKabade oderKobads/welcher deßwegen verworffen wurde/ ob ergleich ein tapferer und resoluter Herr gewesen.

Zu Ende der Persischen Herrschafft aberkan man nicht Vermög des Gesetzes zur Kro-ne/ sondern Vermöge der vornehmsten Stim-men / welche diese Würde dem jenigen zueig-neten/der vom Königlichen Geblüt herstam-mete.

Die natürlichen Söhne folgten ihren Vät-tern nicht in der Regierung / so lange ehlich-gebohrne vorhanden waren: unerachtet Da-rms der Unehliche/ vorJsogee/ den ehlichenSohn des Artaxerxes/ erwehlet worden.

Man erwehlie niemahls einen neuen Kö-nig / als bls der Alte mit todt abgegangen;wicwol Artaxerxes noch bey seinen Lebszntenden Darius zum König ernennte. Wann derKönig aus dem Reich reisete/ muste er/ Ver-möge der Reichs-Gesetze / einen Nachfolgerernennen.

Die Könige wurden zu Pasargadianern(diePasargadianer sind/ nach desHerodorusBericht die vortrefflichsten Persianer/wor-unter sich auch derStamm derAchemenidynerbefindet/ aus welchem die'Persianische Köni-ge entsprossen) von ihren Einheimischen Prie-stern mit grossem Pracht gemachet. Man be-gleitete sie in den Tempel einerKriegs-Götrin/aklwo sie ihre Kleider ablegten/ und die jenigenanzogen / welche Cyrus/als er noch eine Pri-vat Person wäre / getragen hatte. Hieraufäsen sie einen guten Theil Feigen / kaueten einwenig Terpetin / und trunken endlich saureMilch.

Es konnte ferner niemand Konrg werden/er wäre dann von den Magen oder Weisenunterwiesen worden / die dem König bey derOpferung beywohneten; Zumahlen sie unterDen Persianern das Ampt aller allgemeinenund sonderbaren Opfer bedienten; ja sie wa-ren so mächtig / daß sie diesem König der Kö-nige Befehl ertheilten.

Man setzte auf das Haubt des neuen Kö-niges eine Krone oder Haubtzierath / Cydarisgenannt/so vonPurpur war/mit einem blauenBand umwunden / und mit weisser Färbdurchwirket.

König Sapor trug auf seinem Haubt / anstatt einer Krön/ eine Haubtzierath / in Formeines Widders-Kopfsund mitEdelgesteinenversetzet. Sie trugen auch auf dem Haubtein Tiaram oder Tulband / eben wie die Ober-sten und Magistraten der Landschafften; wie-wol mit diesem Unterschied / daß der jenigeTulband / den die Könige trugen/gerad stun-de/ der andern ihrer aber hinterwerts gebogen.

Die Ehre / dem König die Krone auf dasHaubt zu setzen / stunde einer Obrigkeits-Per-son zu/ Surene genannt / welche die ZweytePerson nach dem Könige wäre.

Die Persischen Könige trugen einen langenTalar/der ihnen biß aufdie Fußfolen reichte/und mit Gold und Edelgesteinen / auch Bild-nissen allerhand Vögel und vierfüssiger Thie-re ausgezieret wäre. Sie trugen auch einen

Rock mit Ermeln/Kandis genannt/ der sowolan Färb als Kostbarkeit von der andern Per-sianer ihren unterschieden wäre / und aus Pur-pur bestünde. Es durfften auch überdiß dieUnterthanen niemand anders anrühren alsmit ihren in den Ermeln verborgnen Händen;der König aber hielte solche auser den Ermeln.Der Talar oder Rock der Königen / wäreauch / wie Xenofon berichtet / halb Purpur-farbig und halb weiß / und dorffte sonst nie-mand dergleichen tragen. Die Könige trugenauch lange Haare oder Locken / ausgezierteRöcke/ Gürtel / lange Strümpfe/wie sonstalle andere Persianer. Sie wurden als Göt-ter verehret. Welche zu ihnen naheten/beug-ten nicht allein das Haubt / sondern fielen auchaufdie platte Erde nieder / ja sie hielten imNiederbücken gemeiniglich die Hände aufdmRücken / und erwiesen ihnendiese Ehre auch soferne / als sie konnten gesehen werden. Undalso erzeigten sich auch die Frembde/ die konn-ten den König nicht eher zu sehen bekommen/bis sie ihn / auf Persische Weise / anzubetenversprachen. Sonst müssen sie andern zu ver-stehen geben/oder dasjenige Schrifftlich über-liefern/ was sie dem Konig anzudeuten hatten/der ihnen auchAntwortertheilte/ob er sie gleichnicht gesehen hatte.

Welche den König grüsseten/ die wünschtenihm ein ewiges Leben und Reich ; Er selbstaber zeigte sich dem Volk gar selten. Es warauch niemand ohne Königliche Vergunst zu-gelassen/ in den Palast zu gehen: Die GrossenHerren hielten sich am Thor auf/ und erwar-teten seines Befehls.

Der Königliche Sitz wäre von Gold/aufden sich sonst niemand setzen dorffte. Wannman dem König eine Jungfrau verehrte/sowäre es eine grosse Ubelthat/ wann man dieDecke aufhube / wormit der Dagsessel be-decket wäre; ingleichen ein Thier auf der Jagtzu verwunden / ehe der König mit seinem Pfeildarnach geschossen.

Man ssreuete auch Blumen auf die jenigenStrassen u.Weege/aufwelchen derKönig an-kame/und brennte höchsskostbare Rauchwerke.'Man feyerte Jährlich des Königs Geburts-Tag mit Opfergaben und andern Freuden-Bezeugungen/ als ein sonderbar - hohes Fest.Wann er starb/ so legte das ganze Reich funffTage die Trauer an; in welcher Zeit alle Ge-richts'-Häuser verschlossen blieben ; ja dasewige und heilige Feuer (wie es Diodor nen-net) wurde ausgelöschet/welches ein jeder inseinem Haus anbetete.

Es liebten auch die Persianer ihre Königsüber die mästen ; thaten grosse Gelübde undGeschenke vor ihre Erhaltung/ Heil und Wol-fahrt/ wann sich selbige aufdie Reise begaben.

Sie hatten keine gewisse Residenz/sondernhielten sich den Winter über in Babylon: desFrühlings zu Susa / Sommers zu Ekbatanaauf; und hatten über diese noch viel andereKönigliche Plätze / als Pasargades und Per-sepolis. Nachdeme aber die Parther dasPersische Reich innen hatten / so wäre dersel-ben Sitz zu Ctestfon.