236 Die Soldaten der Republik
Oberbefehl, wahrend Barklay an die Spitze der ersten Westarmeezurücktrat. Im russischen Heere freute man sich sehr, daß ein Natio-nalrusse, ein Schüler Suwarows, oberster Anführer geworden, wah-rend man Barklay de Tolly als einen Fremden') betrachtete undseiner Unentschlofsenheit zuschrieb, daß es bisher so schlecht gegangen.Es war aber eigentlich nur so gegangen, wie es hatte gehen können,denn hatte Barklay eine Hauptschlacht gewagt, so würde er bei derdamals noch sehr großen Uebermacht der Franzosen nach aller menschli-chen Wahrscheinlichkeit eine entscheidende Niederlage erlitten haben.
Kutusow ging über Gschatsk bis Borodino zurück, wo er am3. September eine Stellung bezog, in der er die Schlacht anzunehmenbeschloß, welche Stellung daher auch verschanzt wurde. Am 7. fanddie Schlacht statt, in welcher 130,000 Franzosen gegen 120,000 Russenkämpften. Letztere waren vorher noch um 10,000 Milizen verstärkt wor-den, und aus der Zahl der Streiter Napoleons ersieht man, daßseine Hauptmacht die Hälfte ihrer ursprünglichen Stärke eingebüßthatte. Die Schlacht begann des Morgens um sechs Uhr und endetedes Nachmittags um vier Uhr. Der Widerstand der Russen war äu-ßerst hartnäckig. Napoleon gewann die Schlacht, aber er hatte dierussische Armee nicht zertrümmert, ja nicht einmal in Unordnung gebracht.Man hat dem Kaiser vorgeworfen, daß er die Garde nicht angreifenließ, um den Sieg zu vervollständigen: allein er bedurfte der Garde,um einen Kern zu haben, an den sich alles Uebrige lehne, und mußtesie daher schonen, denn daß er sein Ziel, Moskau erreichen werde, warihm gewiß. Die Russen verloren in der Schlacht von Borodino odervon der Moskwa, wie sie von französischer Seite genannt wird, 30,000,die Franzosen 20,000 Mann.
Obschon Kutusow am 8. September des Morgens seinen Rück-zug nach Moskau antrat, verkündete er doch laut, daß er gesiegt habe,
1) Barklay de Tolly war zwar kein Nationalruffe, aber trotz seines fremd-klingenden Namens ein geborener russischer Unterthan, der Sohn eines liefländischenPredigers, der auch schon in Liefland geboren war. Auch hatte Barklay von Ju-gend auf im russischen Heere gedient.