Dreizehntes Kapitel.
Am Sommerabend die Alm hinan.
Herr Sesemann stieg in großer Erregtheit die Treppe hinauf undwanderte mit festem Schritt zum Schlafgemach der Dame Rotten-meier. Hier klopfte er so ungewöhnlich kräftig an die Tür, daß dieBewohnerin mit einem Schreckensruf aus dem Schlaf auffuhr. Siehörte die Stimme des Hausherrn draußen: „Bitte sich zu beeilenund im Eßzimmer zu erscheinen, es muß sofort eine Abreise vorbe-reitet werden."
Fräulein Rottenmeier schaute auf ihre Uhr, es war halb fünfdes Morgens; zu solcher Stunde war sie in ihrem Leben noch nieaufgestanden. Was konnte nur vorgefallen sein? Vor Neugierdeund angstvoller Erwartung nahm sie alles verkehrt in die Handund kam durchaus nicht vorwärts, denn was sie einmal auf denLeib gebracht hatte, suchte sie nachher rastlos im Zimmer herum.
Unterdessen ging Herr Sesemann den Korridor entlang und zogmit aller Kraft an jedem Elockenzug, der je für die verschiedenenGlieder der Dienerschaft angebracht war, so daß in jedem der be-treffenden Zimmer eine Schreckensgestalt aus dem Bett sprang undverkehrt in die Kleider fuhr, denn einer wie der andere dachte so-gleich. das Gespenst habe irgendwie den Hausherrn gepackt, und diessei sein Hilferuf. So kamen sie nach und nach, einer schauerlicheraussehend als der andere, herunter und stellten sich mit Erstaunenvor den Hausherrn hin, denn dieser ging frisch und munter im Eß-zimmer auf und ab und sah keineswegs aus, als habe ihn ein Ge-
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