J. Zemp — Die Backsteine von S. Urban.
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dem um die Mitte des 13. Jahrhunderts erbauten Kreuz-gang angehört haben 1 ). — Zu den merkwürdigstenStücken zählt eine im Luzerner Museum aufbewahrtePlatte, die ausser dem Schmucke eingepresster WappenReste einer von Hand in den Ton geschnittenen In-schrift zeigt (Figur 6). Diese stark abgetretene Platte,zu welcher wir genaue Analogien unter den Funden vonFraubrunnen finden werden, gehörte ohne Zweifel ur-sprünglich einem Grabdenkmale an; eine befriedigendeDeutung der Inschriftfragmente will nicht gelingen 2 ).
F'ragen wir uns, wie es kam, dass im 15. Jahr-hundert verzierte Terrakotten als gewöhnliches Mauer-material verwendet werden konnten, so drängt sich die Vermutung auf, es dürften die
*) Eine genauere Übersicht über die Funde von S. Urban ist unmöglich, weil unter den Beständen desLuzerner Museums zwischen den Stücken von S. Urban und Altbiiron keine Unterscheidung getroffen ist. Die S. Ur-baner Funde sind im Besitz des Landesmuseums, des historischen Museums von Luzern und des Plerrn Meyer-am Rhynin Luzern . Ich gebe ein gedrängtes Verzeichnis der Funde, von denen die meisten im folgenden zweiten Teile (Formen-lehre) näher beschrieben und abgebildet werden. Sechs Fragmente von Doppelkapitälen, Typus III (siehe das Näherein der Formenlehre im zweiten Teile dieser Studie). — Zwei Schaftstümpfe, Typ. II. — Fragment einer Basis, Typ. I.
— Zwei rundbogige Fenstersturze, Typ. VIII und IXa. — Ein Stück Typ. XVI. — Fensterbank, Typ. XX. — Vier
Trommeln von Wanddiensten und Gewölberippen, Typ. XLI und XLII. — Ein Stück Typ. XLIII. — Ein Stück Typ.XLIV. — Ein Scheibensegment, Typ. XLV. — Ein dreieckiges Werkstück, Typ. XLVII. — Ein Block, Typ.
XXXVIUc. — Ein Keil mit Kehle, Typ. XXVII. — Zwei Keile mit Fase und Rundstab, Typ. XXIX. —
Ein Keil mit Rundstab, Typ. XXVIII. — Dreizehn Gewändeschichtsteine, Typ. XXII, teils aus der Orangerie, teilsvom Tordurchgang neben dem Wirtshaus, teils von unbestimmtem Fundort. — Zehn Gewändeschichtsteine, Typ. XXIII,teilweise fragmentirt. — Zirka 40 Bogcnkeilsteine, Typ. XXX. — Ein Bogenkeilstein, Typ. XXX b. — Ein dito,Typ. XXX c. — Ein Keilstein, Typ. XXXI. — Fünf Lagersteine mit breiter Fase, Typ. XXXII. — Drei dito,l'yp.XXXHI, — Doppelt gefastes Werkstück, Fragment, Typ.XXXV. — Vier Fragmente von Platten, Typ. XXXIX.
— Je ein Exemplar Typ. XXIV, a, b, c. — Ein kleiner gefaster Schichtstein, Typ. XXIV d, mit dem sonst nirgendsvorkommenden Adler in Spitzschild (Orn. Nr. 72) verziert.
Auf den bisherigen Fundstücken sind die meisten der auf beiliegenden acht Lichtdruck-Tafeln abgebildetenOrnamente vertreten. Bisher in S. Urban noch nicht gefunden sind folgende; Nr. 5, 6, J, 8, 14, 15, 21, 22, 25,
26, 31, 34, 39, 39a, 42, 43, 48, 49, 52, 56, 56a, 62/61, 65, 67, 69, 75, 78, 81, 83, 87—95.
2 ) Die Platte bildete die rechte obere Ecke eines aus mehreren, gleich grossen Platten zusammengesetzten Epi-taphs. Reste ähnlicher Grabplatten werden wir unter den Funden von hraubrunnen treffen. Von der Inschrift liest man:
(?) GR
-AT
TU(?)MVL
RG • N •
-A(T)
(tum) VLO • SOCI
Ein Deutungsversuch wird von meinem Freunde Dr. R. Dürrer vorgeschlagen: In S. Urban hatten die Heirenvon Balm und Grünenberg ihr gemeinsames Erbbegräbnis (Fontes rerum Bcrnensium II 670). Das wiedeiholte «at»zwischen den Textzeilcn und der Ausdruck «(tum?) ulo soci * könnte auf ein gemeinsames Epitaph mehrerer Personendeuten, und die Buchstaben RG • N könnten als « Grünenberg nobilis» gelesen werden. Der Umstand, dass die Wappenvon Balm und Grünenberg über der Inschrift eingepresst sind, darf nun allerdings für diesen Deutungsversuch nichtals Stütze gelten, denn jene Wappen erscheinen hier in der gewöhnlichen Reihenfolge, wie sie der Abdruck eines auchsonst häufig verwendeten Models ergab. — Drei Fragmente analoger Platten, doch ohne Reste von Inschrift, befindensich ebenfalls im Museum von Luzern .
Fig. 4. Fragment einer Säulenbasisaus S. Urban. Landesmuseum.