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Nachdem zuerst die steigende Nachfrage seitens ausländischer Sammler und Händlergezeigt hatte, wie sehr gerade die schweizerischen Goldschmiedearbeiten von Kennerngewürdigt werden, hat man sich auch im Inlande eingehender mit unseren alten Silber-schätzen beschäftigt. Der Einzelbesitzer sowohl als Gesellschaften und Körperschaftensind weniger bereit, den Lockungen fremder Unterhändler Gehör zu schenken. Leidersind die Mittel unserer öffentlichen Sammlungen in den wenigsten Fällen genügend,um etwa im Auslande zum Verkauf gelangende Meisterwerke wieder zurückzuerwerben.
Umfassende Arbeiten über die .Schweizerischen Goldschmiede liegen zur Stundenoch nicht vor, mit Ausnahme der kürzlich erschienenen photographischen Veröffent-lichungen von Herrn Architekt Fechter in Basel ; es wird Aufgabe des Landesmuseumssein unter Mitwirkung der örtlichen Forscher und Museen die Grundlage für eingehendereUntersuchungen über dieses Gebiet zu schaffen.
Nachfolgender Beitrag zur Geschichte des Zürcher Goldschmiedehandwerkes wirdzeigen, wie viel in dieser Richtung nur in einer einzigen Stadt noch zu tun ist.
I. Die Zürcher Goldschmiede des Mittelalters.
Die Verwendung edler Metalle zum Schmucke von Waffen und Kleidung warschon bei unsern Vorfahren gebräuchlich, als sie zu Anfang des V. Jahrhunderts daslinksrheinische Gebiet besiedelten, wie die schönen silbereingelegten Gürtelschnallen derallemanischen und burgundischen Grabfunde in unsern Museen beweisen. Eines Welt-geldes für Schmiede und Goldschmiede wird in der Lex Alemannorum wie in der-jenigen der Franken frühe gedacht.
Auch zu Zürich mögen sich Gold- und Silberarbeiter angesiedelt haben, gewisswar es der Fall von dem Augenblicke an, in welchem der Ort einen Markt und eigeneMünze erhielt; dieses war nach urkundlichem Zeugnis schon vor 972 der Fall. Nach derGewohnheit jener Zeit aber mussten für jeden Markt jeweilen frische Pfennige ge-schlagen und fremde und ältere Münzen umgeprägt werden, w'ozu es einer Anzahl mitBehandlung der Edelmetalle vertrauter Männer — Goldschmiede — bedurfte. Es ist nichtvon ungefähr, dass die mit dem Markt- und Münzrecht ausgestatteten königlichen undbischöflichen Städte auch die Mittelpunkte des Goldschmiedehandwerks geworden sind.
Urkundlich sind Zürcher Goldschmiede allerdings erst vom Jahre 1225 an nach-weisbar. Auf die «aurifabri» H. und F. folgt, 1231 ein Gerungus; im Jahre 1246 lernenwir einen Ritter Johannes dictus Goltslehere (Goldschläger) kennen; Hemma, die TochterHeinrich Goldsmides (genannt von Bäch) war Gattin des Rapperswiler DienstmannesRudolf ab dem Turne. — Heinrich Terrer im Markt, an der Stüssihofstatt, Silberschmid,war 1241 einer der sechs von der Aebtissin mit der Münze belehnten Bürger; seinHaus, welches er 1272 an das Kloster Oetenbach vergabte, trägt heute noch den Namen«zum Silberschmid». Ein Konrad Grave zu St. Leonhard, Goldschmid, wird 1272genannt.