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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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64 I. Das Kostüm vom Beginn des 14 . bis zum Beginn des 16 . Jahrli.

Der Mantel blieb bei den Weibern zunächst fast ausschliesslich aufden seithft üblichen Rückenmantel beschränkt, wobei sie denn aber zu-nehmend Werth auf seine auch sonst schon reiche Ausstattung und sovor allem auch auf die Durchbildung der zu seiner Befestigung dienendenSpangen oder Schnüre und deren Seitenschliesse legten (Fig. 35; Fig.36b.c).Nur ausnahmsweise versah man ihn auch wohl mit einem besonderenKragen, der, zuweilen mit Pelzwerk gefüttert, dergestalt zugeschnittenwar, dass man ihn beliebig über den Rücken und nach vorn, vor dieBrust, legen konnte (Fig. 36 d).

Nächst den Fussbekleidungen, die hier, ähnlich wie bei denMännern, nur darin eine Wandlung erfuhren, dass man sie, jedoch mässigerals dort, zunehmend spitzer gestaltete, waren es schliesslich die Kopf-bedeckungen, die mitbedingt durch die Veränderung, welche man inder Haartracht traf, im Einzelnen wenigstens wechselten. Nämlich schonalsbald nach dem Schluss des vorigen Zeitraums verliess man den Brauchdas Haar in seiner ganzen Fülle frei herabwallend hängen zu lassen, da-gegen man nunmehr mit seltenen Ausnahmen, die auf die Jugend be-schränkt blieben (Fig. 35 a) , begann dasselbe zu verflechten und mög-lichst eng um den Kopf zu ordnen, meist so, dass diesen nur jederseitseine Wangenflechte begrenzte (Fig. 36 a. d). In Folge dessen, wie ins-besondere auch durch den noch ferner gesteigerten Hang, sei es um Halsimd Nacken zu zeigen, das Haar insgesammt hoch aufzubinden und dem-entsprechend zusammenzufassen, gab man die bisher so beliebten Kopf-bänder und nur leichthin bedeckenden Mützen zu Gunsten von fest-anliegenden Tüchern, enggeschlossenen Netzhauben und anderen demähn-lichen Bunden auf, daraus sich dann später durch Wiederaufnahme vonSchleiertüchern u. dergl., wie namentlich auch durch Hinzufügung vonnoch sonstigem reichem Zeugschmuck, in launenhafter Anordnung des-selben, die zum Theil seltsamsten Formen ergaben. Daneben trat dann,gegensätzlich dazu, doch wie es scheint nur bei älteren Frauen, aucheine fast nonnenmässige Vermummung des Halses bis über das Kinn hinauf (Fig. 36 c. d).

Gleichwie sich nun alle die bisher betrachteten Veränderungen vor-erst noch durchgängig nur innerhalb der einmal bestehenden Formen voll-zogen, wesentlich Neues noch nicht hinzukam, so auch- blieben die Be-nennungen namentlich für die vornehmsten Gewänder im Ganzen vorerstnoch die früheren. Es waren dies in Frankreich und England undzum Theil auch in den Niederlanden hauptsächlich für die Oberge-wänder und zwar beiderlei Geschlechtssureot (surcoat), bliaus (bliaut),cotte-hardie (cottardia), garnache, rondeau, rundellus u. a. Davon be-zeichnetesureot wahrscheinlich von den älteren tunikaähnlichen Ueber-ziehkleidern zugleich mehrere Arten derselben; ebensobliaus, welches