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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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87
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A. Die Tracht. Frankr., Engl. , Niederl. Männl. Kleidung (14001440). 87

nach dem Tode Ludwigs XII-, seit 1515, an Spanien abtreten, dassich fortan auch in diesem Punkte zu immer mehrer Geltung erhob.Die mannigfachen Wandlungen nun, welche bis dahin die Kleidungerfuhr, knüpften selbstverständlich durchweg an die bestehenden Formenan. Im Ganzen blieb man zunächst dabei stehen, die bereits üblichenSonderbarkeiten in noch Weiterem auszubilden, welche Zeit des Ueber-gangs zu anderweitigen Gestaltungen mindestens mehrere Jahrzehntehindurch, etwa bis 1440, bis zum Beginne der eigentlichen ModeherrschaftBurgunds dauerte.

Bei der männlichen Bekleidung äusserte sich dies vornämlich indem fortgesetzten Bestreben sowohl die bisherige Einschnürung als auch,zugleich mit Beibehalt der langen und weiten Uebergewänder, die wäh-rend der Herrschaft Karls VI. eingeführten Unförmlichkeiten gelegentlich

noch zu überbieten. .

Der Rock, der bereits bis um den Schluss des vorigen Zeitraums bei gesteigerter Enge kaum mehr bis zur

Mitte der Schenkel reichte, ward jetztallmälig noch dergestalt zunehmendverengert und gekürzt, dass er schliess-lich nur noch eine Art von äusserstknapp anliegender Ermeljacke bildetemit ebenso knapp anliegendem Schooss,der höchstens nur noch den Unterleibdeckte ( Fig . 52). Gleichmässig damitwurde es Gebrauch die Taille mög-lichst einzuschnüren, den Brusttheilrundlich zu wattiren und die schonhohen Schulteransätze, diemahoitres,noch zu erhöhen. Die Ermel selber,nächstdem dass man sie gemeiniglichdurchgängig eng beliebte, pflegte manjetzt auch theils oberhalb bald kürzer,bald tiefer, zuweilen auch in ihrer gan-zen Oberarmlänge fast tonnenförmig auf-zubauschen, theils aber auch überhauptzu erweitern und in diesem Falle mit-unter, zum bequemen Durchstecken desArms, den dann wiederum zumeist einenger anliegender Ermel bedeckte, ober-wärts ziemlich weit aufzuschlitzen (vgl.F %g. 55 a. b ). - Unmittelbar an diesen Rock {pourpoint, gipon«n. a.), der zumeist vorn der Länge nach zugeschnürt oder geknöpft

Fig. 52.