\\2 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
(Fig. 65 a; Fig. 49 b ) blieben fortdauernd in Gebrauch, ja gewannennun namentlich noch, und am burgundischen Hofe vorwiegend zugleichals ceremonielle Tracht,* auch selbst durch mancherlei Nebenputz anGoldstickerei und sonstigem Besatz, an Bedeutung und Prachtaufwand.
Mit dem Mantel verhielt es sich ganz ähnlich wie mit dem männ-lichen Mantel. Auch von der vornehmen Damenwelt wurde er wesentlichnur noch in der Eigenschaft eines auszeichnenden Staats- oder Feierkleidsangelegt, mithin auch von dieser nun demgemäss stets nur aufs Prunk-vollste behandelt, dabei dann alsbald, wie bei der Robe, die Schleppeeine Hauptrolle spielte.
Die Kopfbedeckungen erfuhren zwar im Ganzen keine Verän-derung, auch kam nicht eigentlich Neues hinzu, doch wurden auch siezum Theil noch reicher und, wenigstens im Einzelnen, selbst auch nochkünstlicher gestaltet. Die hohen kegelförmigen „hcnnins“ sowohl mitihren hinterwärts langherabwallenden Schleiertüchern, als auch mit ihrenflügelartig hochaufgesteckten Seitenbehängen und ihren noch sonstigenAusstattungen durch darüber laufende Doppelwülste" u. s. w., nahmenungeachtet der dagegen ankämpfenden Geistlichkeit an Umfang und anKostbarkeit zu (Fig. 69 b e f; Fig. 71). Nichts half es, dass jene die soverunzierten Damen geradezu lächerlich machte 1 , sie mit gehörnten Thierenverglich und auch den Kopfbedeckungen an sich eigene Spottnamen bei-legte ; das Auge war einmal daran gewöhnt, sie vornehm und zugleichkleidsam zu finden. Wie in Allem, so ging auch hierin der burgundischeHof voran, wo insbesondere die „hennins“ und die mit breiten Doppel-wülsten ausgestatteten hohen Mützen bei weitem am meisten beliebtwaren, obschon man hier auch wohl, doch wie es scheint nur für ein-zelne Ausnahmefalle, minder hohe und in der Form einfachere Haubenanwandte (Fig. 69 e). Frankreich folgte dem unbedingt nach; auchEngland schloss sich wiederum dem an, indessen behielten die englischenDamen doch auch die von ihnen seither schon vorzugsweise beliebtenHauben mit breitausladenden Ohrenwülsten, Schleierbehängen u. dgl. inziemlich gleichmässiger Verwendung bei (vergl. Fig. 65; Fig. 66; Fig.67). — Das Haar ward gemeiniglich nach wie vor zurückgestrichen undmöglichst verdeckt.
Die Fussbekleidung blieb unverändert, nur dass auch sie, demGanzen entsprechend, an prunkvoller Ausstattung noch gewann. Diesbetraf nunmehr auch namentlich die inzwischen auch von den Weibernangenommenen Unterschuhe, die man aber nun vorzugsweise reichund kunstvoll herstellte, ja in einzelnen Fällen sogar ganz in durch-brochener Arbeit beschaffte. —
Als mit dem Tode Karls des Kühnen (um 1477) der Glanz desburgundischen Hofes erlosch und die Vorherrschaft in der Mode nun