128 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
Hanf und auf eine Art sehr groben Tuchs, das man „gros bureaux“nannte; nächstdem in einzelnen Gegenden, wie in der Bretagne nochgegenwärtig, auf westenförmig zugeschnittene Ziegen- oder Schaffelle.Sonst aber trugen sie, wie seither, und zwar die Männer gemeiniglichbald längere, bald kürzere Beinkleider, einen blousenartigen Rock undeinen kurzen Mantelumhang; dazu entweder Schuhe von Leder, zuweilenmit langen Schnürbändern, oder hölzerne Klotzschuhe (vergl. Fig. 81 a. b );die Weiber, bei demähnlichen Schuhwerk, bis zu den Füssen reichendeRöcke, gleichfalls nur kurze Umhänge und, je nach den Landschaftenverschiedene, doch zumeist nur einfach angeordnete Bundhauben (vergl.Fig. 50 a. b. c ).
In einem Punkt jedoch glich sich die Tracht auch aller Stände be-ständig aus und zwar in dem Punkte der Trauerfarbe, dafür mandurchgängig Schwarz erwählte, einzig mit der Ausnahme, dass die Weiberin diesem Falle zu ihrer sonst so gefärbten Kleidung auch wohl gelegent-lich noch einen langen weissen Schleier anlegten, und dass die Königevon Frankreich , doch auch nur sie, als Abzeichen ihrer über Alles erha-benen Würde, in Roth trauerten. — Für die Wittwen bestand die Be-stimmung, dass ihr Schleier mindestens über die Knie herabreiche.
Gegenüber den Wandlungen, welche die Kleidung im Allgemeinenbis zum Schluss des fünfzehnten Jahrhunderts durchmachte, bewahrte dereigentlich ceremonielle Ilerrscherornat auch noch bis zu diesemZeitpunkt seine altherkömmliche Grundgestalt durchaus. Die wenigenVeränderungen, die er inzwischen erfuhr, betrafen noch immer wesentlichnur die Ausstattung als solche und die Weise den Mantel zu tragen,indem man sich seiner, doch auch ohne feststehende Regel, bald nachArt des alten Schultermantels, der auf der rechten Schulter verbundenward, bald nach Art des Rückenmantels, der vor der Brust geschlossenwurde, bediente. In der Form der Gewänder dagegen blieb man nochunausgesetzt bei dem dafür altüberlieferten Schnitte stehen, so dass geradesie noch immer das Gepräge altrömischer Abstammung deutlich genugerkennen lassen (vergl. Fig. 82).
Jener Wechsel in der Anordnung des Mantels begann, wie esscheint, bereits um den Schluss des dreizehnten Jahrhunderts. Bis dahinwenigstens herrscht in den gleichzeitigen Darstellungen von Königen undgekrönten Häuptern der eigentliche Schultermantel vor; seit dieser Zeitindessen tritt daneben auch jene andere Form auf, während fortan dannaber beständig beide Formen, als gleichzeitig üblich, in vielfacher Ver-bildlichung erscheinen. Es gilt dies für die Darstellungen sowohl der