Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
130
JPEG-Download
 

130 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

meist den Kaisern Vorbehalten blieb lind den man bei Königen auchwohl überhaupt, wie dies namentlich in Frankreich schon seit Alters üblichwar, durch ein zweites Scepter ersetzte. So auch gab man allmälig dasursprünglich dem byzantinischen Ornat entlehnte breite und lange Band,das vor der Brust mehrfach gekreuzt getragen wurde die auch vonder Geistlichkeit geheiligte sogenannte Stola zu Gunsten des eigentlichkaiserlichen Ornats auf. Dies in England vermuthlich bereits seitder Regierung Eduard 1 s I. (12721307), welcher, wie es scheint, einerder letzten der Könige war, die sich dieses Abzeichens bedienten. Alsman dessen Gruft in der Westminster-Abtei im Jahre 1774 öffnete, fandman seinen Körper mit den königlichen Gewändern und auch mit diesemBande bekleidet. Jene bestanden in einer Tunika oder Dalmatika vonrothseidenem Damast und in einem Schultermantel von scharlach-rothem Atlas, den auf der Achsel eine Spange von einem Zoll Längezusammenhielt, reich verziert mit Steinen und Perlen. Das Band oderdie Stola war über der Brust gekreuzt, von weissem Stoff, ebenfallsreich mit Steinen und Perlen und überdies mit gelb metallnen Verzie-rungen in Form des Vierblatt-Ornaments in Filigranarbeit besetzt. In dereinen Hand ruhte das Scepter, in der anderen fanden sich Ueberresteverzierten Metalls, die höchst wahrscheinlich dem inzwischen zerstörtenReichsapfel angehörten. Der Leichnam an sich war bis zu den Knieenabwärts in einer Art von Goldstoff eingewickelt. Sämmtliche Steine undPerlen waren falsch und auch die metallnen Zierrathen durchweg nur_vergoldet, somit dieser ganze Ornat, muthmasslich aus Sparsamkeits-rück^ichten, wohl nur eine getreue Nachbildung des wirklich bestehendenKrünungsschmucks. In einem Miniaturgemälde aus dieser Zeit, welcheseinen König, vielleicht Eduard I. selber, in vollem Ornate darstellt, er-scheint derselbe in ähnlicher Weise ausgestattet. Auch hier trägt er eineweite, bis zu den Füssen reichende Dalmatika mit langen und weitenErmcln und darüber das vor der Brust zwiefach gekreuzte, reich verzierteStolaband, dazu golddurchwirkte Schuhe, Krone und Reichsapfel; dahin-gegen nicht wie dort einen Schultermantel, sondern einen Rücken-mantel von schleppender Länge, durchweg mit Pelz (Zobel oder Her-melin) gefüttert. Auf einer noch anderen ebenfalls gleichzeitigen Miniatur,welche sogar die Krönung Eduards I. verbildlichen soll, ist dieser jedochnun abermals mit einem längs der rechten Seite offenen weiten Schulter-mantel bekleidet, der im Uebrigen dem Mantel auf jenem zuerstgenanntenGemälde zwar ähnlich, auch von schleppender Länge und mit Pelz (Her-melin) ausgeschlagen ist, sich aber überhaupt noch dadurch auszeiehnet rdass ihn vom Halse bis auf die Brust ringsherum ein völlig geschlossenerKragen von Hermelin bedeckt. Dieser Kragen, der als Auszeichnungliüchstgestellter Würdenträger auch schon zu Ende des dreizehnten Jahr-