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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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131
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A. Tracht. Frankreich, England, Niederlande . Herrscher-Ornat. 131

hunderts häufiger in Anwendung kam, bildete fortan gleichennassen einewenn auch nur gelegentliche Zuthat des königlichen Oruats. Noch ferneraber zeigt diese Miniatur, bei der wohl auch Manches allerdings aufRechnung der Phantasie des Künstlers, der sie fertigte, zu setzen seindürfte, nächst einer nur einfachen Zinkenkrone, als zu dem unteren Ge-wände gehörig, lange sehr enganschliessende Ermel und ebenso engeBeinkleider und Schuhe — was Alles, vergleicht man dies mit den auchsonst noch zahlreich vorhandenen Darstellungen von Königen in vollemOrnat aus dieser und der nächstfolgenden Zeit, deutlich genug 1 zu erkennengiebt, wie wenig man hierin in Wirklichkeit vorerst noch, mindestensim Einzelnen, einer etwa schon allgemein gültigen, durchaus feststehen-den Anordnung folgte. Namentlich fand in Gestaltung der Ermel derTunika oder Dalmatika ein häufigerer Wechsel statt, indem man sie,wie dies freilich auch schon seither allgemeiner geschehen war, völligwillkürlich bald länger, bald kürzer, bald weiter, bald enger zu tragenbeliebte. Nächstdem auch ward dieses Gewand an sich, wie dies unteranderem die gleichzeitige skulptirte Darstellung Eduard III. (1327—1377)in der Westminster-Abtei erweist ( Fig■ 82 b), zuweilen selbst ungegürtetbelassen und längs seiner vorderen Mitte bis zu einer bestimmten Höhevom unteren Saume aufwärts geschlitzt.

Ganz dcmähnlich verhielt es sich noch geraume Zeit hindurch auchmit der Färbung dieser Gewänder. Auch hierin beobachtete man zwareine bestimmte Grenze, die ebenfalls noch auf alter Ueberlieferung beruhte,doch auch wiederum nicht ohne sich auch innerhalb dieser frei zu bewe-gen. In England war dies hauptsächlich der Fall, wo ein derartigerwillkürlicher Wechsel fast bis zum Schluss dieses Zeitraums währte, da-hingegen die Könige von Frankreich vielleicht schon frühzeitig, ja,wie es scheint, bereits seit der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, fürden Ornat überhaupt einer Farbe, dem Azurblau, vor allen anderenden Vorzug gaben, 1 welche Farbe sie dann auch in der Folge, etwa seitBeginn des fünfzehnten Jahrhunderts, mindestens für die Dalmatika, denSchultermantel und die Schuhe unausgesetzt und ausschliesslich anwandten.Demgegenüber, folgt man den gleichzeitigen Verbildlichungen englischerKönige, pflegten sie insbesondere diese Gewänder von verschiedenen Farbenzu tragen. Gleichwie schon die bemalten Grabsteinbilder Heinrich’s II.

1 Nach vereinzelter Annahme soll namentlich der Mantel der \französischenKönige ursprünglich ekarlatfarben gewesen sein, wogegen jedoch die meistenVerbildlichungen u. s. w. aus diesem Zeitraum sprechen. Auch stützt sieh dieseAnnahme wesentlich nur auf eine Stelle in der Chronik des Monstrelet die sichindessen auf den Einzug Heinrich’s, Königs von England, in Paris bezieht undauf ein Gemälde Karl’s VI., wo er mit einem solchen Mantel bekleidet dargestelltist. Vergl. die folgende Note.