132 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.
und der Königin Eleonore, Richard’s I. und der Königin Berengaria inder Abtei Fontevraud in der Normandie , welche dem zwölften und demBeginne des dreizehnten Jahrhunderts entstammen, abwechselnd in purpur-farbenem oder braunem Mantel und rother Dalmatika, und umgekehrt inrotliem Mantel u. s. w. erscheinen, waren es fortan auch fast durchgängigvorzugsweise Roth, Blau und Purpur, welches hier bald für die Tunika,bald für den Mantel in Anwendung kam, ganz abgesehen von der Fär-bung der Schuhe, dafür man hauptsächlich Hochroth beliebte. So unteranderem zeigt eine Miniatur aus der Zeit Heinrich’s VI, welche indessHeinrich IV. darstellt, diesen mit einer blauen Dalmatika nebst einempurpurfarbenen Mantel bekleidet, wogegen dann wiederum in dem Krö-nungsornat Richard’s III. (1483 bis 1485) und so auch noch in demHeinrich’s VII. (1485 bis 1509), nächst dem Purpur, Scharlachrothvorherrscht. Von Richard nämlich, der ja bekanntlich in eitler Selbst-gefälligkeit dem Prachtaufwand sehr ergehen war, wird ausdrücklich her-vorgehoben, dass er sich an seinem Krönungstage zwei vollständiger„Roben“ bediente, einer von scharlachrothem Sammet, reich mitGoldstickerei verziert und durchgängig mit Grauwerk gefüttert, und einervon purpurfarbenem Sammet gänzlich mit Hermelin ausgeschlagen;dazu Hosen, Schuhe und Mantel von Seide, gleichfalls scharlachroth; dieSchuhe kostbar mit Gold durchwirkt.
Bei weitem der grösste Wechsel indess herrschte fortdauernd nament-lich in der verzierenden Ausstattung nicht allein der einzelnenGewänder, als vielmehr noch der eigentlichen Insignien, der Krone,Scepter u. s. w., auf deren Ausbildung der jeweilige Kunstgeschmack undwohl zuweilen auch selbst die eigene Erfindungsgabe der Goldschmiede,die mit deren Verfertigung betraut wurden, bedingenden Einfluss ausübten.Für die Gewänder an sich zunächst blieb freilich auch diese Ausstattungim Grunde genommen eine beschränkte, sofern sie sich entweder lediglichauf die Randsäume derselben und auf die zur Befestigung des Mantelserforderliche Spange erstreckte, oder sich doch da, wo sie das ganzeGewand betraf, mit nur wenigen Einzelausnahmen in einer dafür be-stimmten, stets wiederkehrenden Form bewegte. Abgesehen von derSpange, die je nach der Anordnung des Mantels die Form entwedereiner Schulteragraffe (Fig. 82 a) oder die eines bald schmäleren, baldbreiteren Brustverbandes (Fig. 82 b. c) erhielt, und auf deren möglichstkostbare Beschaffung in Juwelierarbeit man überhaupt ganz besonderenWerth legte, fand jene erste Art der Verzierung vorwiegend bei demOrnat der englischen Könige, die letztere hingegen, und zwar fastdurchgängig, bei dem der französischen Könige statt. Bei dem eng-lischen Ornat bestand sie somit im Wesentlichen in einer Einfassung deräusseren Säume des Mantels und d^r Dalmatika mit einem mehr oder