minder breiten bandstreifenähnlichen Besatz entweder von reicher Gold-stickerei oder von dünngeschlagenen Goldblechen mit darauf angeordnetenverschiedenfarbigen Steinen und Perlen, gewöhnlich derartig zusammen-gefügt, dass die Steine jederseits von einer Reihe dicht aneinandergesetzter Perlen begrenzt wurden. An dem Ornate Heinrich’s IV. (1399bis 1412), wie solcher sich an dessen Steinbild in der Hauptkirche zuCanterbury bis in’s Einzelne genau dargestellt findet (Fig. 82 c), ist dielange Dalmatika mit einer Seitentasche versehen und selbst auch dieselängs ihren Rändern dicht mit Perlen eingefasst, zugleich ein Beweis, wiesehr man gerade diese Art der Verzierung hier liebte. So auch pflegteman namentlich hier die Schuhe demähnlich auszustatten, obschon mansich eben bei diesen auch häufiger nur mit einem wechselnden Schmuckin zierlicher Buntstickerei begnügte. Wenn mm aber von einzelnen eng-lischen Königen berichtet wird, dass sie ihre „königlichen“ Gewänderauch noch anderweit schmücken Hessen, wie unter anderem von Hein-rich III. , dass er ein Gewand getragen habe, in welchem vorn und hinter-wärts drei kleine Leoparden gestickt gewesen, und ausserdem von Richard II. (1377 bis 1399), dass seine Dalmatika über und über mit Rosen und demBuchstaben R in kostbarer Stickerei besetzt war, so zählt dieses und nochWeiteres, das hier anzuführen wäre, ebensowohl zu den Ausnahmen, alsan dem Steinbilde Heinrich’s HI. (gest. 1272) auf seinem Grabmal inder Westminster-Abtei das Vorkommen von Schuhen mit zahlreichen inrhomboidische Felder vertheilten Abbildungen von Löwen. Während deslangdauernden englisch -französischen Kriegs allerdings kam es vor, dassdie englischen Könige, und so im umgekehrten Fall auch die französi-schen, je zum Zeichen ihrer zu usurpirenden Gewalt übereinander, dasWappen von England und von Frankreich beisammen auf ihre Gewändersticken liessen. Doch betraf dies wohl immer nur einzelne Repräsentations-kleider, W affenröcke u. dergl., nicht aber den eigentlich königlichen attri-butiven Ornat als solchen.
Demgegenüber hatten die Könige von Frankreich für ihre Ornat-Gewänder verhältnissmässig frühzeitig, schon vor dem Beginn des vier-zehnten Jahrhunderts, nächst den auch von ihnen dafür seither ange-wandten Randbesätzen, und zwar zu durchgängiger Ausstattung,gleichwie eine bestimmte Farbe, so auch eine bestimmte Verzierung erwählt.Es war dies die sogenannte Lilie (fleur de lis) in der Gestalt, wie sichdieselbe aus der heraldischen Umbildung dieser Blume ergeben hattewelche, wie auch die blaue Farbe, dem Mittelalter überhaupt als dasvornehmste Sinnbild der heilfgen Jungfrau galt, und somit auch hier wohlnur in dieser Bedeutung zur Geltung gekommen war. Abgesehen vonnur wenigen Ausnahmen, wo man vielleicht aus besonderen Rücksichtenvon dem Ueblichen abwich — wie denn unter anderem Karl VI. bei der