134 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.
Krönung seiner Gemahlin Isabelle einen Mantel von Ekarlat mit Golddurchwirkt trug 1 — bestanden die hauptsächlichen Gewänder des fran-zösischen Herrscherornats, der Mantel, die Dalmatika und auch die Schuhefortan durchweg aus einem azurblauen Stoff (Sammt, Atlas, Seide u. dgl.),bedeckt in regelmässiger Vertheilung mit eingestickten goldnen Lilien.Selbst auch das engere Untergewand wurde, wenigstens anfänglich, fallsman es nicht, wie in der Folge, durch eine Tunika ersetzte, mit dieserVerzierung ausgestattet (Fig. 82 a). Nur das Beinkleid, das aber imUebrigen auch entweder aus dunkelblauer oder violetter Seide war, unddann eben die Tunika, bei der man sodann jedoch auch in der Färbung,gewöhnlich zwischen Weiss und Rosa, ziemlich willkürlich wechselte,blieben gemeiniglich davon frei. Dazu kam noch, als besonderer Schmuck,ausser den schon erwähnten Besätzen der äusseren Ränder u. s. w. mitGoldarbeit, Edelsteinen und Perlen, was man indessen in weiterem Verlaufmehr und mehr vereinfachte, vorzugsweise fiir den Mantel eine Ausfütte-rung mit Hermelin und, seit der Mode der langen Schleppen, eine dem-entsprechende zumeist sehr beträchtliche Schleppe hinzu.
Von den besonderen Insignien erfuhren vor allem die Kronen 2eine mannigfach wechselnde Durchbildung. Natürlich konnte dies, beider einmal dafür auch durch den Zweck gebotenen festgestellten Grund-form eines mehr oder minder breiten Reifens mit darüber sich erhebendenVerzierungen eben auch nur die Gestaltung dieser Verzierungen und dieAusstattung im Ganzen betreffen. 3 So aber Hess man es sich nun auchstets angelegen sein, sowohl das eine als auch das andere, im Anschlussan die bisher dafür üblich gewesene Anordnung, immer reicher und kost-barer zu behandeln, dabei man denn fiir die Herstellung jener Zierrathendie Vorbilder fast ausschliesslich der Pflanzenwelt (Blättern oder Blumen)entlehnte, für die Gesammtausstattung indess, so vorzugsweise für denReifen, eine mehr freie Ornamentirung, zuweilen nach Art eines Ranken-werks, von Steinen, Perlen, Emaille u. s. w., nicht selten mit dazwischenvertheilter zierlicher Filigranarbeit wählte. Unter jenen Verzierungenspielte dann namentlich bei den Kronen der französischen Könige wiederumdie „Lilie“ wesentlich mit, dagegen die englischen Könige für ihre Kronen
1 Dies geschah wohl unfehlbar nur desshalb, weil es hierbei eben nichtseiner, sondern seiner Gemahlin Krönung galt, die allerdings, wie berichtetwird, bei dieser Gelegenheit in dem mit goldenen Lilien übersäten königlichenMantel erschien. Als Karl um 1380 selber die Krone empfing, da trug auch er,bei seinem Einzuge in Paris , das ähnliche, mit Lilien verzierte Gewand.
2 S. u. a. Texier. Dictionnaire d’orfevrerie, de gravure et de ciselure chrd-tiennes etc., publie par M. l'abbe Migne. Paris 1857. S. m. „couronnes impe-riales, royales etc.“ bes. S. 489 ff.
8 Vergl. hierzu die bereits beigebrachten Darstellungen Fig. 39. Fig. 46.