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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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135
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A. Tracht. Frankreich, England, Niederlande . Herrscher-Ornat. 135

diese Form zwar ebenfalls in Anwendung brachten, doch, wie es scheint,mehr nur in Beiordnung von anderweit reichem Blätterschmuck. In der-artiger Weise höchst kostbar gestaltet erscheint die Krone, die Hein-rich IV. auf seinem Grabdenkmale trägt (Fig. 83; vergl. Fig. 82 cj. Es

ist diese Krone, wie man vermutliet, eine ge-treue Nachbildung der überaus reichen ,,HarryCrown", welche Heinrich I r . um 1415 zer-brach und deren Stücke verpfändete, um, imKriege gegen Frankreich , die Soldtruppcn zubezalden. Sie selber bestand aus einem sehrreich mit Edelsteinen (einem Rubin, drei grossenSaphiren) und zehn grossen Perlen nebst Gold-schmiedewerk verzierten Reifen und sich dar-über erhebenden breitausladenden getriebenenBlättern, zwischen denen je eine Lilie, begrenztvon Perlen, angebracht war; auch dies zumTheil noch mit Steinen geschmückt. — Sämmt-liche Kronen bis zu dieser Zeit wurden gewöhn-lich unmittelbar auf das blosse Haupt gesetzt;von da an indessen bediente man sich, wie auch dies die AbbildungHeinrich’s IV. vergegenwärtigt (Fig. 83), gelegentlich einer Unterkappe,die zumeist, dem Ganzen entsprechend, nicht minder reich verziert wurde.Auch beliess man die Kronen an sich mindestens bis auf Heinrich VI. (1420—1461) oberhalb, wie seither, durchaus offen. "Während seinerRegierung dagegen, was auch seine Münzen bestätigen, ward es Gebrauchsie, ziemlich ähnlich wie die alten Kaiserkronen, mit einem darüber lau-fenden gebogenen Bügel zu versehen: ein Schmuck, den dann auch dieKönige von Frankreich, doch, wie es scheint, erst seit Ludwig XII. — der bei seinem Eintritt in Paris um 1498 zuerst eine derartige Kronetrug — überhaupt dauernd annahmen. In Folge dieser Anordnung, zuder man späterhin auch noch einen zweiten gleichen Bügel derarthinzufügte, dass beide einander rechtwinklich kreuzten, schritt man dazu,auf den Scheitelpunkt noch ein besonderes Ornament, ein Kreuz u. dergl.anzubringen, wie denn unter anderen bereits jene Krone, mit welcherLudwig XII. erschien, oberwärts, gerade in ihrer Mitte, .eine frei empor-stehende grosse goldene Lilie schmückte.

Bei den Sceptern blieb die Verzierung wesentlich auf die Spitzebeschränkt, während man bei dem Stabe an sich höchstens darin wech-selte, dass man ihn bald rund, bald mehrkantig gestaltete und theils unten,am Griffende, theils, w’as jedoch nur selten geschah, in der Mitte oder anbeiden Stellen zugleich mit runden oder mit mehrflächigen, entweder glattbelassenen oder aber auch noch eigens reich ausgestatteten Knäufen versah.

Fig. 83.