136 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
Die Länge des zumeist goldenen oder doch mit Goldblech überzogenenStabes betrug einschliesslich der oberen Verzierung gemeiniglich zwischenzwei bis drei Fuss, so dass er, mit gestrecktem Arme gehalten, stets dieSchulter noch überragte (Fig. 82 a). Zu jener Verzierung nun wählteman allem Anscheine nach wie seither ohne besonderen sinnbildlichenBezug, vielmehr lediglich als Folge altherkömmlicher Ueberliefcrung, baldeinen Adler, bald eine Blume, dabei denn namentlich wieder die Liliehäufiger in Anwendung kam, bald eine Kugel mit einem Kreuz, balderstere oder das letztere allein, oder auch irgend ein anderes dem Zweckentsprechendes Ornament, dem man dann gelegentlich selbst, wie sichdas Scepter auf dem Steinbilde Eduard 11. darstellt, die Gestalt einesim Geschmack der Zeit durchgeführten kleinen Bauwerks, eines mit Zin-nen bekrönten Spitzthürmchen nebst einem darauf sitzenden Vogel u. s. w.zu geben pflegte. Solche willkürliche Ausstattung indess betraf immernur das eine Scepter,. dahingegen das andere, das die Könige währendder Krönung neben diesem in der linken Hand trugen, seit Alters herohne Ausnahme an seiner Spitze mit einer Hand von Elfenbein versehenwurde, deren Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger erhoben, die beidenanderen Finger aber eingeschlagen sein mussten. Wie jenes Scepter alsZeichen der Herrschaft und Macht, so galt dieses, zugleich auf Grundaltrömischer Ueberlieferung, als das Zeichen der Gerechtigkeit und unum-schränkter Gerichtsbarkeit. Beide waren den französischen und den eng-lischen Königen gemein. Und so auch wurde Eduard III. (gest. 1377}auf seinem steinernen Grabbilde mit zwei Sceptern dargestellt, was diein jeder Hand davon ersichtlichen Reste klar genug zeigen (Fig. 82 bj.
Der Reichsapfel, falls ihn die Könige überhaupt noch anwand-ten, wurde gemeinhin nach wie vor entweder völlig glatt belassen odereinestheils nur in Mitten mit einem Reifen, anderntheils auch mit zweieinander sich kreuzenden Reifen und einem freistehenden Kreuze ge-schmückt; dies Alles mehr oder minder reich mit Steinen u. s. w. besetzt.Und bei dem Schwerte war es und blieb es, nächst dem dazu etwanoch benutzten Gürtel oder Wehrgehenk, der Griff und die Scheide, daransich die Kunst der Goldschmiede zu bethätigen hatte, was aber dannnamentlich auch dahin führte, dass man die Scheide insbesondere zuwei-len durchaus in durchbrochener Arbeit in Form von zierlichem Ranken-werk u. dergl. höchst kunstvoll beschaffte und, um den Eindruck noch zuerhöhen, mit irgend einem kostbaren Stoff, mit blauem oder mit rothemSammet oder Seide unterlegte.
Hinsichtlich der goldenen Sporen endlich, die gleichfalls noch zumOrnat gehörten, so gab man die dafür bisher übliche Gestalt von Stachelnallmälig gegen die inzwischen für den sonstigen Bedarf bereits gebrauch-