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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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137
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A. Tracht. Frankreich , England, Niederlande . Herrscher-Ornat. 137

licher gewordenen sogenannten Radsporen auf, diese nun für diesen Zwecknicht minder möglichst kunstvoll durchbildend.

Auelr kam zu dem Allen noch, vornämlich seit der Stiftung beson-derer Orden, die Anwendung der damit verbundenen zumeist sehr kost-baren Halsketten hinzu, indem man nun diese auch zum Ornat, überdem Mantel, zu tragen pflegte. Als eine eigene Art dieses Schmuckszeigt sich auf mehreren Grabsteinbildern der vornehmsten Adelsgeschlech-ter Englands aus und nach der Zeit Heinrichs IV., so auch auf demGrabbilde seiner Gemahlin, der Königin Johanna von Navarra in derKirche zu Canterbury , eine breite Schartenkette, deren Scharten dichtaneinander je den Buchstaben S enthalten, was man, ausser nochsonstiger Deutung, auf das MottoSoverayne eben dieses Königs be-zogen hat.

Der Ornat der Königinnen stimmte im Wesentlichen stets mit demder Könige überein, nur dass er, dem Geschlecht angemessen, gelegent-lich im Einzelnen, so vorwiegend in der Gestaltung der Krone und desScepters noch zierlicher, insbesondere aber das Scepter, vielleicht aus nochanderweitigem Grunde, kleiner als das der Könige war. Als die Gemah-lin Karls VI., die prachtliebende Isabella, um 1389 ihren Einzug inParis hielt, erschien sie in einem seidenen, mit goldenen Lilien bedecktenKleide, begleitet von den Herzoginnen de Bar, de Berri und de Touraine .Angekommen zu Saint-Lazar, in der Nähe von Paris , setzten sie und dieHerzoginnen ihre reich mit Edelsteinen verzierten goldenen Kronen auf.Am darauf folgenden Tage indess, da die Krönung statt hatte, war sieeben zu diesem Zweck, abgesehen davon dass sie ihr Haar aufgelöstlangherabwallend trug, genau wie der König selber geschmückt. Seitdemerst, und wie zu vermuthen steht, auch dann noch immerhin nur ver-einzelt, dafür allerdings einige gleichzeitige Darstellungen zu sprechenscheinen, wählten die Königinnen zu ihrem Ornat eine Bekleidung, diemindestens dem Schnitte nach der auch sonst gemeinhin gebräuchlichenweiblichen Bekleidung glich. Indessen betraf auch dies vorerst immernur die untere Gewandung, nicht aber denköniglichen Mantel, welcherauch hierbei im Verein mit den eigentlichen Insignien, der Krone, Scep-ter u. s. w., seine ursprüngliche attributive Bedeutung ungeschwächtfortsetzte. Nur da, wo es sich nicht gerade um ein Erscheinen im Krö­ nungs -Ornat, sondern etwa lediglich um eine Vergegenwärtigung dereigenen Rangstellung handelte, wie bei so manchen ^festlichen undfeierlichen Vorkommnissen, bediente man sich auch anderer Mänteldie indess, da man sie eben nur als Prunkkleider betrachtete, auchhinsichtlich ihrer Ausstattung jeden beliebigen Wechsel erfuhren (vergl Fig. 49 b).

Gleichwie die Könige bei ihrer Krönung stets im königlichen Ornat