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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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138 ! Das Kostüm Tom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirli.

erschienen, so auch pflegte man sie noch im Tode ganz demähnlich aus-zustatten. Seit Alters geschah dies indem man die Leiche in vollstän-diger Bekleidung während einer bestimmten Zeit auf einem Paradebetteausstellte und so angethan, unter mannigfachen Feierlichkeiten, zu Grabetrug. Diese Art der Ausstellung jedoch währte, wenigstens in Frank­ reich , nur bis zum Schluss des dreizehnten Jahrhunderts, von da an eshier gebräuchlich ward den Körper, das Herz und die Eingeweide jebesonders zu bestatten. In Folge dessen, sofern man nunmehr davonAbstand nehmen musste die so zerstückelte Leiche selber, wie bisher, zurSchau zu stellen, schritt man dazu sie durch ein getreues Abbild desVerstorbenen von Wachs oder Leder zu ersetzen und nun mit diesemsemblance de cuir ganz der Natur gemäss bemalt und mit allen Ab-zeichen geschmückt, genau so wie ehedem mit dem wirklichen Leichnamzu verfahren. Ein derartiges Scheinbegräbniss erfuhr unter anderemKarl VI. und bald darauf auch sein Nachfolger Heinrich V. von Eng-land um 1422. Bei der Bestattungsfeierlichkeit Karls VI. wie diesdie grosse Chronik Monstrelets erzähltruhte auf einem sehr präch-tigen Bette, darüber sich ein Baldachin von kostbarem golddurchwirktemTuche, gefüttert mitvermeil dazur und übersäet mit cingesticktengoldenen Lilien erhob, ein dem Könige ähnliches Bild, bedeckt mit einergoldenen sehr reich mit Steinen besetzten Krone, in der einen Hand eineGoldmünze, in der anderen eine Silbermiinzc haltend. Die Figur selber warbekleidet mit einemdrap dor ä un champ vermail mit langen Ermelnund einem demähnlich ausgestatteten weiten Mantel durchgängig mitHermelin gefüttert, mit schwarzen Beinkleidern und mit solers (Schuhen)von azurfarbenem Sammt, überdeckt mit goldenen Lilien. Und so wurdesie mit allen Ehren bis zur Kirche Notre-Dame und von da nach Saint- Denis geführt. Ganz das Aehnliche geschah bei dem Ableben Hein-riclis V., nur mit dem besonderen Unterschiede dass, da dessen Anhän-gerschaft -vor allem daran gelegen war seinen Körper nach England zuschaffen, sie diesen, zu mehrerer Erhaltung, durch einen Fleischer vonRouen in Stücke zerhacken und einsalzcn Hessen und das aus gesottenemLeder angefertigte Abbild des Königs, im Sarge ruhend, vermittelst einesvon vier Pferden gezogenen Wagens ziemlich eilig bis zu dem Orte derEinschiffung beförderten. Wenn im Uebrigen jenes Bild Karls VI.in jeder Hand lediglich eine Münze trug, so war dies, wohl aus eigenenGründen, doch nur eine Ausnahme, da es sonst durchweg gebräuchlichwar statt dessen die eine Hand mit dem Scepter, die andere entwederebenfalls und zwar dann mit dem zweiten Scepter oder aber, wie beiKaisern, mit einem Reichsapfel zu versehen: eine Weise der Ausstattung,welche sich bereits an der Leiche Eduards I. von England vorfand (S. 130).

Die Herzoge, Grafen (comles undearls), die grossen Lehens-