A. Tracht. Frankr., Engl., Niederl. Abzeich. d. Adels; Ritterorden . 139
träger überhaupt, pflegten sich in nicht seltenen Fällen beim Antritt ihrerHerrschaft wie die Könige krönen zu lassen und sich dazu eines demköniglichen Ornate ganz ähnlichen Ornats zu bedienen. Der Unterschiedhierbei bestand hauptsächlich nur darin, dass während jener Ornat, wievorwiegend der der französischen Könige, sich rücksichtlich seiner Wechsel-gestaltung doch stets in nur sehr engen Grenzen bewegte, mithin imGrunde genommen ein feststehendes Gepräge bewahrte, der Ornat dieserWürdenträger besonders in seiner Einzelausstattung durch Färbung, Ver-zierung u. s. w., je nach deren eigenem Ermessen auf das Vielfältigstewechselte. So spielten bei diesen Ornaten vor allem die den verschie-denen Geschlechtern je eigenen Wappen eine Hauptrolle, indem sie dafürhäufiger nicht sowohl die Wappenfarben, als auch, und zwar meistentheilsfür den Mantel, die Wappenbilder und diese gewöhnlich in Buntstickereiin Anwendung brachten. Nur die Kronen unterlagen einer altherkömm-lichen Bestimmung, derzufolge die Krone des Herzogs aus einem brei-ten goldenen Reifen mit nur zwei blumenförmigen Zinken, die desGrafen aber einzig aus einem Reifen bestehen solle. Ob und inwieweitman indessen dieser Verordnung wirklich nachkam, dürfte wohl kaum zuermitteln sein, da sich auf vielen Grabsteinbildern insbesondere englischerEarls, wie unter anderem auf denen des Thomas und des William Fitz-Allan (jenes von 1416, dieses von 1487) in der Kirche zu Arundel , sehrverschiedene und zumeist, auch in Anbetracht der Zinken, überaus reichdurchgebildete (Grafen -) Kronen dargestellt finden. Somit lässt sich dennhöchstens nur als wahrscheinlich annehmen, dass, falls eben nicht inEngland auch darin völlige Freiheit herrschte, die grossen Lehnsträgerinsgesammt jene für sie bestimmten Kronen nur bei solchen Vorkommnis-sen trugen, wo es, wie etwa durch das Beisein des Königs, ceremoniellbedingt war, im Uebrigen aber ganz nach Belieben gestaltete Kronenanwandten. Liess man es später doch geschehen, dass sich auch selbstder niedere Adel diese Auszeichnung anmasste, was rnan freilich auch,da es bei dessen Rangstellung völlig bedeutungslos war, leichthin zuübersehen vermochte. Vielleicht auch, dass sich die Könige später danneben nur zum Unterschiede von den Kronen der Lehnträger der obengeschlossenen Kronen bedienten.
Eine noch fernere besondere Ausstattung zuvörderst wiederum haupt-sächlich nur dieser höchsten Machthaber, zugleich einschliesslich derKönige, brachte die fortgesetzte Stiftung von Ritterorden wiederholtmit sich, soferd es sich die Herrscher vor allem gerade während diesesZeitraums vorzüglich angelegen sein Hessen durch Begründung solcherOrden und deren Verleihung an die Machtvollsten, diese an ihre Personzu fesseln und ihren dynastischen Interessen um so dienstwilliger zu er-halten. So kamen zu den schon bestehenden Orden zunächst in Frank-