140 !• Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.
reich noch hinzu erstens, von Ludwig II. im Jahre 1370 am Tage sei-ner Vermählung gestiftet, zugleich um sich dadurch gegen Burgund einestarkePartei zu verschaffen, der „Orden der Distel,“ und bald danach,um 1378, durch Karl V. und, wie es heisst, gleichzeitig durch RichardII.von England der der „heiligen Passion“. Diesen folgten in kurzenZeiträumen der „Orden vom Stachelschwein („vom Agat“), gestiftetdurch Ludwig von Orleans um 1391, der jedoch nur bis zur RegierungKarl’s VIII. in Geltung blieb; der von Philipp von Burgund im Jahre1430 begründete Orden vom „goldenen Vliess“ (S. 107), sodann der„Orden vom Hermelin“ durch Franz I. von Bretagne um das Jahr1450, der „Orden des Erzengel Michael “ durch König Ludwig XLum 1469, und endlich, um 1483, durch die Gemahlin Karl’s VIII. der„Orden der gegürteten Damen.“ In England dagegen, das sichhierin bei weitem massvoller erwies, sieht man von jener erwähnten Mit-stiftung des Ordens der heiligen Passion durch König Richard II. ab, be-schränkten sich derartige Stiftungen vornämlich nur auf den von Eduard 111.im Jahre 1350 begründeten „Orden vom Hosenbande“ oder vomRitter St. Georg, auch Vordre de la Tarretiere und ordre of the gardergenannt, und auf den von Heinrich IV. um 1399 gebildeten „Order ofthe bath .“ — Die mit der Verleihung dieser Orden verbundenen äusserenAbzeichen indessen waren mit nur sehr wenigen Ausnahmen nach derihnen je untergelegten Bedeutsamkeit sehr mannigfach. Bei dem der„gegürteten Damen,“ der jedoch auch wesentlich nur an Frauen verliehenwurde, bestanden sie allerdings lediglich in einem Stricke, durchaus ähn-lich dem Gürtelstrick der Franziskaner, der um die Hüften geschlungenward; sonst aber zählten dazu gemeinhin nicht allein etwa nur eineKette oder diese und ein Stern mit dem Ordenszeichen geschmückt,sondern auch, wenigstens zumeist, noch eine eigene Ordenskleidung,die dann nicht selten selbst wiederum tlieils nach den verschiedenenRangstufen, dadurch man die Orden gliederte, eine untersclüedliche war,theils auch in Folge besonderer späterer Bestimmungen mancherlei Um-wandlungen erfuhr. Ohne hier auf die darauf bezüglichen Einzelheiteneingehen zu können ’, sei eben nur beispielsweise bemerkt einmal, dassdie Ordenskleidung der Ritter vom goldenen Vliesse bereits um
1 P. Heliot. Histoire des ordres monastiques et militaires. 2. edit. avec812fig. Paris 1792. (In deutscherUebersetzung. Leipz. 1783.) — C. F. Schwan.Die weltlichen Ritterorden, welche eine eigene Ordenskleidung haben. Mannheim 1791. — M. Tiron. Histoire des ordres religieux et militaires. Bruxelles 1845;dazu über die englischen Orden insbes.: E. Ashmole. Of the institution lawsand ceremonies of the most noble Order of the Harter. London 1672, u. J. C.Dithmaer. Commentatio de ordiui militari de balneo cum statutis ordinis et fig-aeneis. Francof. 1729.