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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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144 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jakrli.

weiten Kittel („falding“) oder grober Jacke, gewöhnlich bis zu denKnieen reichend, mit einem Degen an der Seite; der Verwalter oderVogt in einem kurz geschorenen Bart, das Ilaar rings um die Ohrenbeschnitten, bekleidet mit einem langen „rn.rc.oat“, buntfarbig oder voneiner Art graublauem Tuche u. s. w., während sich die Handwerkernach den verschiedenen Innungen und Körperschaften, zu denen siezählten, je besonders kennzeichneten, dabei indessen insgesammt ihreTaschen, Gürtel und Messer reichlich mit Silberarbeit ausgestattet und„nicht etwa von Messing“ waren. Die weltlichen Gelehrten endlichund so auch alle die Personen, deren Rang und Thätigkeit mehr wissen-schaftliche Bildung bedingte, kleideten sieh, da sie überhaupt erst vonder Geistlichkeit abgezweigt waren, fast ohne Ausnahme auch noch fernerin einer der Kleidung dieses Standes ähnlichen langen und weiten Ge-wandung. Dahin gehörten vorzugsweise die „Physiker“ (Aerzte undWundärzte) und die Rechtsverständigen, mithin auch die mitVollziehung des Rechts eigens betrauten Gerichtsbeamten. Vondiesen nun zeichneten sich, wiederum zufolge der Bemerkungen Chau-cer's, die Aerzte hauptsächlich durch purpurfarbige und hellblaue Ober-gewänder von Linnen mit „tafeta“ und „sendal,“ die Gerichtsbeamtendagegen, so insbesondere der „sergeant-at-law durch eine verschieden-farbig gestreifte oder in „mi-parti“ behandelte Robe nebst einem reich mitSilberbeschlägen ausgestatteten Hüftgürtel aus. Dazu trugen sie eineweisse Kappe, anfänglich von Leinewand, später von Seide, mit Pelzverbrämt und eine Art von Schulterkragcn, ebenfalls mit Pelzwerk be-setzt. Nach dem Grabbilde des Sir Richard de Willoughby aus derZeit Eduard's III. (etwa von 1338), welches jenen in der Tracht des„Chief Justice of tlie king’s Bench“ darstellt, bestand diese auseiner den Körper vom Halse bis zu den Füssen herab völlig bedeckendenfaltigen Robe, die, vorn unterhalb aufgeschlitzt, vom Halse bis auf dieBrust offen war und hier durchaus zugeknöpft ward, mit engem bis zuden Ohren liinaufreichenden wulstig ausladendem Kragen und ziemlichweiten Hängeermeln; aus einem mit verzierten Beschlägen besetzten langenHüftgürtel, welcher unmittelbar hinter der Schnalle einmal einfach durch-geschleift wurde; aus einer nur den Oberkopf knapp bedeckenden flach-runden Kappe und, soweit es die hier nur sichtbaren sehr engen Ermeldes untern Rocks, die hinterwärts dicht zugeknöpft und über die Handhin verlängert sind, als wahrscheinlich annehmen lassen, aus der auchsonst gemeinhin gebräuchlichen sehr enganschliessenden kurzen Bekleidung.Auf einem anderen Grabbilde und zwar dem des William Gascogne vomJahre 1419, das diesen ebenfalls in der Bekleidung dieser Würde ver-gegenwärtigt, zeigt sich noch als Besonderheit ein die Robe unmittelbarbedeckender breiter Schulterkragen, der sich bis zur Armbiege erstreckt,